SV Limmat

Schwimmverein Limmat Zürich



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Koordination des Crawlarmzugs

Am Beispiel von Popov, der australischen Crawlschule und Inge de Bruijn

1. Mai 2004

Timing of Armstroke in Freestyle Swimming

With Popov, the Australian Freestyle Swimmers, and Inge de Bruijn as an example

1 May 2004
Von / By Felix K. Gmünder

© Felix Gmünder, Schwimmverein Limmat Zürich

Einleitung

Rhythmus ist ein grundlegendes Merkmal im Sport. Im Crawlschwimmen bedeutet Rhythmus die Koordination des Beinschlages mit dem Rollen des Körpers und des Armzuges sowie die zeitliche Koordination der Arme. Ein guter Rhythmus hat einen flüssigen und eleganten Schwimmstil zur Folge, der beinahe mühelos aussieht.

In einem kürzlich erschienenen Artikel analysierte ich die Freistilschwimmtechnik von Grant Hackett und Ian Thorpe [Grant Hacketts und Ian Thorpes Schwimmtechnik]. Die Effizienz ihrer Technik ist auf die Minimierung des Wasserwiderstandes und Maximierung des Vortriebs zurückzuführen. Sie erreichen dies mit einer horizontalen Wasserlage, einer seitlichen Gleitlage während des grössten Teiles eines Schwimmzyklus', dem Übergreifen der Arme während des Eintauchens bzw. in der Zugphase (Front-Quadrant-Technik) sowie der hohen Ellbogenposition in der Phase des Wasserfassens. Darüber hinaus verfügen beide über eine ausgezeichnete Koordination der Bewegungen.

Alexander Popov schwimmt in vieler Hinsicht gleich. Sein Trainer Gennadi Touretski und Popov haben seit Beginn der 90er Jahre das Crawlschwimmen modernisiert. Beim Vergleich von Popovs Freistiltechnik mit der der australischen Mittel- und Langstreckenschwimmer fällt als einer der wichtigsten Unterschiede auf, dass die zeitliche Koordination des Armzuges anders ist. Popov schwimmt nicht mit der "Front-Quadrant-Technik". Er wendet die Rotationstechnik an, bei der der vordere Arm eintaucht, wenn der hintere den Armzug schon fast abgeschlossen hat. Ich versuche im folgenden Artikel die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Koordination des Armzugs zu erklären, und was das für dich oder deine Schwimmerinnen und Schwimmer bedeutet.

Als Erstes werden die drei Grundmuster der Armzugkoordination erklärt. Anschliessend kann mit Hilfe von Unterwasservideoclips verglichen werden, inwieweit sich die Koordination von Popov, Michael Klim, Thorpe, Hackett und Inge De Bruijn unterscheidet.

Introduction

Rhythm is one of the most important basic elements in any sport. In freestyle swimming, rhythm essentially means the coordination of kicking with the body roll, and with arm strokes as well timing of one arm with the other. Good rhythm results in fluent and elegant swimming that looks almost effortless.

In a recent article I presented an analysis of Grant Hackett's and Ian Thorpe's freestyle swimming [Grant Hackett's and Ian Thorpe's Swimming Technique]. Their swimming efficiency is based on minimal resistance and maximal propulsion. They achieve this by a horizontal body position, maintaining a side-lying gliding position during most of the time of the stroke cycle, "front quadrant" timing of arm strokes, and high elbow position when they catch the water. Both swimmers have excellent overall coordination.

Alexander Popov swims similar with respect to most aspects. His Coach Gennadi Touretski and Popov have modernised freestyle swimming since the early 1990ies. If you compare Popov's freestyle technique with the one of the Australian middle distance and distance swimmers, one of the most prominent difference you will note is related to the timing of the arms. Popov does not use "front quadrant" timing or "overlapping strokes". He applies a rotary armstroke pattern.

In the following article I try to explain to you the advantages and disadvantages of different timing patterns and what this means for you or your swimmers.

We start with an explanation od the three basic timing patterns of he armstroke. After this, three underwater videoclips show to what extent the timing of Popov, Klim, Thorpe, and Hackett is different.



Koordination des Crawlarmzugs:
Die drei Grundmuster


Timing of freestyle stroke:
The three basic patterns

1) Zuerst wird die Koordination des Armzugs gezeigt, bei der die Arme rechtwinklig zueinander stehen. Diese Art der Koordination ist die Gebräuchlichste. Wenn der eine Arm eintaucht, hat der andere den Armzug zur Hälfte beendet.
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Source: Cecil Colwin, Swimming Technique, April-June 2003
1) First, the typical right-angle timing of the arms is shown. This is the most commonly-used type of timing. As one arm enters, the opposite arm is midway through the stroke.
2) Das zweite Bild zeigt die Koordination der Armzugbewegung, wenn die Arme vor dem Schwimmer übergreifen ("Front Quadrant Schwimmen"). Diese Koordination wird vor allem bei Schwimmern mit guter Wasserlage und -balance, starkem Vortrieb mit den Beinen und stromlinienförmigem Körper oder Wasserlage, die gutes Gleiten erlauben, verwendet. Diese Koordination wird bei Langstrecklern häufiger als bei Sprintern beobachtet (vgl. Ian Thorpe und Grant Hackett in den Videoclips unten).
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Source: Cecil Colwin, Swimming Technique, April-June 2003
2) The second picture shows a timing in which the arms overlap in front of the swimmer (front-quadrant swimming). This type of timing is more commonly used by swimmers with natural buoyancy and balance, a strong leg action and a streamlined body build or position who slip through water easily. This type of timing is used more often by distance swimmers than by sprinters (s. videoclips of Ian Thorpe and Grant Hackett below).
3) Beim dritten Grundmuster taucht der eine Arm ein, wenn der Zugarm bereits schon mehr als die Hälfte des Armzugs ausgeführt hat (Rotationstechnik, vgl. Sprinter in den Videoclips unten). Diese Koordination kommt den Schwimmern entgegen, die auf beide Seiten atmen (3er Zug). Am häufigsten wird diese Koordination des Armzuges bei Sprintern, vor allem bei solchen mit hoher Zugfrequenz angetroffen.
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Source: Cecil Colwin, Swimming Technique, April-June 2003
3) In the third basic pattern, when one arm enters, the opposite arm has already passed the midway point of the pull (rotary stroke, s. sprinters shown in vedeoclips below). This timing suits swimmers who use bilateral breathing (once every three strokes) and two-beat leg action. It is most often found with sprinters, in particular those with a high turnover rate.



Videoclips

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Videoclips

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Popov (vorne) wendet in einem 100-m-Rennen die Rotationstechnik (drittes Grundmuster) an. Popovs Trainer Touretski sagt, dass dieses Grundmuster für Sprinter am besten geeignet ist, weil der Vortrieb kontinuierlich erfolgt. Er sieht lange, passive Gleitphasen nicht gerne.

Michael Klims Muster liegt näher bei der klassischen, rechtwinkligen Koordination.

Popov (in front) and Klim


Source of full-length videoclips: buehlerbluemarlins.net/ (Donald Graft)
In a 100 m event Popov (in the front lane) uses a rotary stroke pattern (third basic pattern). Popov's Coach Touretski says that this pattern is best for sprinters because propulsion is continuous. He does not favour long passive gliding phases.

Micheal Klim's pattern is closer to the classical right-angle pattern.

In diesem Videoclip wird Michael Klims Koordination, bei der die Arme rechtwinklig zueinander stehen, mit Ian Thorpes "Front-Quadrant-Technik" verglichen (200 m Freistil).

Klim (in front lane) and Thorpe


This Videoclip compares Michael Klim's classical timing with Ian Thorpe's front quadrant technique (200 m freestyle).

Im 800er Final von Fukuoka wenden sowohl Grant Hackett (vorne) als auch Ian Thorpe die Front-Quadrant-Technik an.

Hackett (in front) and Thorpe


In the 800 m final in Fukuoka both Grant Hackett as well as Ian Thorpe show front quadrant freestyle swimming.

Im 50-m-Final von Barcelona schwimmt Inge de Bruijn mit der für Sprinter typischen Rotationstechnik.

Inge de Bruijn


In the 50 m final in Barcelona Inge de Bruijn swims with the rotary timing that is typical for sprinters.

Schlussfolgerungen

  • In Bezug auf die Koordination des Armzugs kann auf verschiedene Weise schnell Crawl geschwommen werden. Das Front-Quadrant-Schwimmen ist bei Langstreckenschwimmern, die Rotationstechnik bei Sprintern verbreitet.
  • Alle Schwimmer rollen den Körper (Hüfte und Schultern) um die Längsachse und zwar so, dass sie die meiste Zeit in Seitlage verbringen. Für das schnelle Körperrollen von der einen auf die andere Seite werden von den meisten Schwimmern zwei Ankerpunkte verwendet, nämlich der Beinschlag (2er oder 6er Beinschlag) und das Wasserfassen bzw. die frühe Zugphase.
  • Welche Technik du für dich oder deine Schwimmer bevorzugst, hängt von vielen Faktoren ab (Sprint, Langstrecke, körperliche Voraussetzungen etc.).
  • Wichtig ist, dass man nicht nur an einen effizienten Vortrieb denkt, sondern wie man gleichzeitig den Wasserwiderstand reduzieren kann (z.B. mit horizontaler Wasserlage, Hüfte an der Oberfläche) [Die korrekte Wasserlage im Crawlschwimmen].
  • Das Techniktraining muss im aufgewärmten und ausgeruhtem Zustand erfolgen, d.h. zu Beginn des Trainings. Technik muss langsam bis superlangsam geübt und automatisiert werden (Touretski: "Spazierenschwimmen" lernen).


Mehr Informationen:

Conclusions

  • You can swim freestyle fast using different coordination patterns of your armstroke. Most distance swimmers use front quadrant swimming, whereas most sprinters prefer rotary armstroke.
  • All swimmers rotate their body (hips and shoulders) along the longaxis so that they spend most of their time on their sides. They roll their body from one side to the other in a snappy movement using their kick (2 beat or 6 beat kicking pattern) and arms as anchors. The frontal anchor is either the catch or early pull phase.
  • Which technique you prefer for yourself or your swimmers depends on many factors, mainly sprint/distance swimming, body shape, etc.
  • It's important to think of how to reduce water resistance. Many swimmers concentrate on how to maximise propulsion. You can reduce resistance by maintaining a horizontal body position (hips at the surface) [Correct body position in freestyle swimming].
  • To work on swimming technique you have to be warmed up but not tired. Usually you do that at the beginning of a work out. To practise swimming technique swim slowly to superslowly. Touretski says swimmers have to learn to "go for a walk in the water".


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