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[swimnews.ch] [Swimming News in English]2.9. Trickett kehrt zurück. Die dreimalige Olympiasiegerin aus Australien sagte in einem Fernsehinterview, sie sei noch nicht bereit für die Karriereende. «Ich habe an kleinen Dingen bemerkt, wie ich das Schwimmen vermisse. Der Geschmack des Pools brachte meine Erinnerungen zurück», sagte die 25-Jährige. «Ich möchte herausfinden, wie schnell ich noch sein kann.» Trickett hatte sich nach der WM 2009 in Rom eine Auszeit vom Sport genommen und im Dezember ihren Rücktritt verkündet. Die achtmalige Weltmeisterin, die mit Britta Steffen gut befreundet ist, gewann bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen und 2008 in Peking Gold mit der 4 x 100-Meter-Staffel. Bei Olympia in China setzte sie sich auch über 100 Meter Schmetterling durch. Eine der beliebtesten Figuren des Schwimmsports, die vor ihrer Heirat mit dem Schwimmer Luke Trickett den Namen Lenton trug, unterlag Doppel-Olympiasiegerin Steffen 2008 in den Finals über 50 und 100 Meter Freistil. In Rom bei der WM 2009 konnte sie nicht mehr mithalten, weil sie in einem nicht mehr konkurrenzfähigen Schwimmanzug antreten musste - im Gegensatz zu Steffen. Steffen hat nach einer über einjährigen Pause bei großen Wettkämpfen ihr Comeback für die anstehende Kurzbahn-Saison angekündigt. Auch Australiens dreimalige Olympiasiegerin Stephanie Rice peilt nach einer erfolgreichen Schulter-Operation ebenfalls die Olympischen Spiele 2012 in London an. 27.8. FINA sperrt 3 Schwimmer wegen Dopings. (dpa) - Der zuletzt wegen seiner laxen Anti-Doping- Politik kritisierte Weltverband FINA hat Dopingsperren gegen drei Schwimmer verhängt. Der spanische Olympia-Teilnehmer Sergio Garcia wurde wegen dreier Verstöße gegen Melde-Richtlinien binnen 18 Monaten zu einer Sperre von einem Jahr verurteilt. Die im März bei den Südamerika-Spielen zweimal auf das Diuretikum Furosemid getestete Brasilianerin Daynara de Paula wurde für sechs Monate aus dem Verkehr gezogen. Außerdem darf der Australier Ryan Napoleon wegen der Einnahme der verbotenen Substanz Formoterol in einem Asthmaspray für drei Monate nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Alle drei Sperren gelten vom 20. August an, teilte die FINA mit. Der Weltverband war in die Kritik geraten, weil es weder bei der Weltmeisterschaft im Juli 2009 noch bei der EM (4. bis 15. August) in Budapest Blutkontrollen gegeben hatte. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hatte daraufhin die Verpflichtung aller Verbände zu Blutkontrollen auch während der Wettkämpfe in Erwägung gezogen. Unmittelbar vor der EM hatte der Freispruch des Spaniers Rafael Munoz für Aufsehen gesorgt. Der Schmetterlings-Weltrekordler war dreimal bei Doping-Kontrollen nicht angetroffen worden. Die FINA hatte eine von Munoz angeführte persönliche Notlage als Erklärung akzeptiert. Der WM-Dritte wurde schließlich Europameister über 50 Meter Schmetterling. 21.8. Phelps und Lochte jagen Rekorde. Phelps schwamm als Starter der 4 x 100 Meter-Freistil- Staffel in 48,13 Sekunden Weltjahresbestzeit. Lochte vergrößerte als zweiter Schwimmer den Vorsprung des US-Quartetts, das in 3:11:74 Minuten ebenfalls eine Jahres-Bestmarke aufstellte. Zudem kamen beide zu souveränen Einzelerfolgen. Der 14-malige Olympiasieger Phelps distanzierte auf seiner Paradestrecke 100 Meter Schmetterling in 50,86 Sekunden seinen zweitplatzierten Landsmann Tyler McGill um fast eine Sekunde (51,85). "Ich bin etwas langsam vom Startblock weggekommen, das hat mir gar nicht gefallen", sagte Phelps. Für den 25-Jährigen war es das vierte Gold der Spiele. Lochte schwamm im fünften Finale zu seinem fünften Titel und stellte dabei seine sechste Weltjahresbestzeit auf. Der 26 Jahre Olympiasieger wurde in 1:54:12 Minuten seiner Favoritenrolle über die 200 Meter Rücken gerecht. "Es läuft einfach bei mir. Es ist zwar nur ein Zwischenjahr auf dem Weg zur WM im nächsten Jahr in Shanghai und den Olympischen Spielen 2012 in London, aber ich bin genau da, wo ich sein will", betonte Lochte. Insgesamt gewann das US-Team acht der zehn Endläufe. Dabei unterbot die weibliche 4 x 100-Meter-Freistil-Staffel mit Startschwimmerin Natalie Coughlin in 3:35:11 Minuten die am 9. August bei den Europameisterschaften in Budapest aufgestellte bisherige Topzeit des Jahres der deutschen Staffel um 2,61 Sekunden. Für weitere Weltjahres-Bestmarken sorgten der Südkoreaner Tae Hwan Park (400 Meter Freistil/3:44:73 Minuten), Jessica Hardy aus den USA (50 Meter Brust/30,03 Sekunden) und der Brasilianer Felipe Franca Silva (50 Meter Brust/27,26 Sekunden) [Website]. 21.8. «Golden Girl» der Jugendspiele: Schwimmerin Tang Yi Sa. (dpa) - Die chinesische Schwimmerin Tang Yi ist das «Golden Girl» der Olympischen Jugendspiele in Singapur. Die 17-Jährige gewann sechs Goldmedaillen - nur zwei weniger als der amerikanische Schwimm-Superstar Michael Phelps bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking holte. «Mein Ziel ist, jeden Wettkampf zu gewinnen», sagte die Studentin der Tongji Universität in Shanghai. «Ich habe niemals mit so vielen Goldmedaillen gerechnet.» Um ein Haar wäre noch ein edles Stück dazugekommen, doch die 4 x 100-Meter-Lagen- Staffel Chinas wurde disqualifiziert. Die 1,73 Meter große Tang Yi hat bereits olympische Erfahrung. Bei den Sommerspielen 2008 in Peking gehörte sie zur 4 x 100-Meter- Freistil-Staffel, die Vierte wurde. «In Peking hatte ich nicht die Chance, auf das Siegerpodest zu kommen. Hier hat es nun geklappt», freute sich die Ausnahmeathletin, die im Schwimmbecken alles gibt. Bei den chinesischen Städte-Meisterschaften 2007 war es des Guten zu viel: Wegen totaler Erschöpfung musste sie in ein Krankenhaus gebracht werden und auf einen Einsatz in der Lagen-Staffel verzichten. Pech hatte Tang Yi bei den Ostasien-Spielen, als im Finale über 200 Meter Freistil ihr Schwimmanzug einen Riss bekam und sie aufgeben musste [Resultate]. 21.8. Zwei Finalplätze für Danielle Villars bei der Jugendlympiade. Danielle Villars hat ihre nachträgliche Qualifikation für die Jugendolympiade in Singapur voll ausgenutzt und war mit zwei Final- und einer Halbfinalqualifikation die erfolgreichste Teilnehmerin der Schweiz. Wie gewohnt absolvierte Danielle viele Rennen, und der Startliste nach zu urteilen wäre eine Qualifikation fürs ein Halbfinale schon ein Erfolg gewesen. Danielle erledigte das schon im ersten Rennen, den 100m Freistil, wo sich sich zunächst mit 57.59 als 7. für das Halbfinale, dort dann mit neuer persönlicher Bestzeit und Clubrekord von 57.22 ebenfalls als 7. fürs Finale qualifizierte. Am zweiten Tag standen zunächst die Vorläufe über 50m Delphin und 200m Rücken an. In der Sprintdistanz qualifizierte sie sich in mäßigen 28.64 als 14. fürs Halbfinale, über 200m Rücken schwamm sie nach langer Durststrecke über diese Distanz nach 17 Monaten endlich wieder eine Bestzeit und blieb in 2:19.31 erstmals unter der Marke von 2 min 20. Damit ist sie die zweitschnellste Schweizerin in diesem Jahr hinter Vereinskollegin Martina Van Berkel. Das bedeutete in der Endabrechnung den 17. Platz, nicht allzu weit vom Finale entfernt. Am Nachmittag waren die 50m Delphin in 28.59 leicht schneller, blieb aber auf demselben Platz, was für eine Finalqualifikation allerdings nicht ausreichte. Im Finale über 100m Freistil kam sie nach gutem Beginn in 57.72 nicht über einen 8. Platz hinaus. Am folgenden Tag stand die doppelte Freistildistanz auf dem Programm. Hier schwamm sie in den Vorläufen ausgezeichnete 2:03.56, wieder eine persönliche Bestzeit, und sie nahm damit Stephanie Eisenring den Clubrekord ab (vorher 2:04.05 aus dem letzten Jahr). Das brachte sie als 5. ins Finale. Am Nachmittag gelang ihr dann leider wieder keine Verbesserung des Resultates und sie wurde in vergleichsweise mäßigen 2:04.89 erneut 8. Ihr letzter Einsatz am vorletzten Tag der Schwimmwettkämpfe in Singapur war über 100m Delphin. Hier zeigte sie sich ein wenig müde von den Rennen zuvor und wurde in 1:02.80 18., knapp an einer möglichen Halbfinalqualifikation vorbei. Ist die Qualifikation für die Finale an sich schon ein fantastischer Erfolg für Danielle, so hat sie das Abschneiden in den Finalläufen selber nicht zufriedenstellen können. Zu den Schwimmwettkämpfen in Singapur ist allgemein zu bemerken, daß die Qualifikationskriterien seitens der FINA und die Teilnehmerbeschränkung für ein ziemlich verzerrtes Teilnehmerfeld gesorgt haben. Die Leistungen in der Spitze waren durchweg gut bis hervorragend, aber über manche Strecken (vor allem die 50m Distanzen) war die Breite zum Teil doch äußerst gering, so daß eine Halbfinalqualifikation über diese Distanzen wenig sportlichen Wert hatte. Staffelwettkämpfe erscheinen ebenfalls willkürlich, wenn pro Geschlecht nur 4 Sportler zugelassen sind. Wird zudem noch, wie geschehen, aber nie öffentlich kommuniziert, der Qualifikationsmodus nach Beendigung der Qualifikationsphase geändert, scheinen in diesem Wettkampf (zu) wenig Gedanken investiert worden zu sein. Hier besteht sicher noch Nachholbedarf, um ein rundes Schwimmsportfest feiern zu können [Resultate]. 20.8. Lochte gut in Form. (sid) Ryan Lochte hat bei den Pan Pacific Championships über 200m Freistil die Jahres-Weltbestzeit von Paul Biedermann knapp unterboten. Michael Phelps gewann über 200m Schmetterling - und scheiterte dann über 400-m-Lagen nach einem vierten Platz im Vorlauf vorzeitig. Die US-Schwimmstars Michael Phelps und Ryan Lochte haben am Mittwochabend zum Auftakt der Pan Pacific Championships in Irvine/Kalifornien ihre ersten Titel in Jahres-Weltbestzeit gewonnen Während Phelps trotz Formkrise über 200m Schmetterling triumphierte, entriss Lochte Doppel-Weltmeister Biedermann die erst beim EM-Triumph in Budapest aufgestellte Jahres-Weltbestzeit über 200 Meter Freistil. Lochte war in 1:45,30 Minuten 17 Hundertstelsekunden schneller als Biedermann am vorigen Samstag. Auf die Frage, ob er sich derzeit in der Form seines Lebens befinde, antwortete der 26-Jährige: "Vielleicht schon. Ich fühle mich sehr gut und habe super trainiert. Das will ich so lange wie möglich aufrecht erhalten." Der 14-malige Olympiasieger Phelps siegte in 1:54,11 Minuten über 200m Schmetterling vor dem Australier Nick D'Arcy und Takeshi Matsuda aus Japan. "Die letzte Bahn hat richtig weh getan. Von meiner Bestform bin ich zurzeit weit entfernt", sagte der 25-Jährige, der noch Minuten nach dem finalen Anschlag schwer atmete. "Als ich das Platschen des Wassers gleich neben mir gespürt habe, dachte ich nur: 'Du kannst dich doch jetzt nicht mehr einholen lassen!' Von der Fitness bin ich noch nicht so weit." Dass er trotz allem eine Jahresweltbestzeit schwamm, sollte Biedermann und dem Rest der Schwimmwelt allerdings ein deutlicher Fingerzeig sein. Phelps gehörte zu den wenigen Stars, die stets auf die Benutzung der inzwischen verbotenen Wunderanzüge verzichtete. 2009 kostete ihn das in Rom den WM-Titel, als ihm Paul Biedermann davon schwamm. Dafür ist die Fallhöhe für den Amerikaner in diesem Jahr deutlich geringer. Biedermann dagegen tat sich insbesondere über die 400 Meter Freistil schwer, Topzeiten abzurufen. Phelps selbst musste ausgerechnet über 400-m-Lagen eine ungewohnte Niederlage hinnehmen. Mit der viertbesten Vorlaufzeit in 4:15,38 Minuten verpasste der 14-malige Olympiasieger am Donnerstag den Finaleinzug. Da Lochte (4:08,77) und Tyler Clary (4:09,20) schneller waren als Phelps, blieb für den Weltrekordhalter kein Platz, da maximal zwei Schwimmer aus einem Land im Finale starten dürfen [Website]. 20.8. Rice plant Operation. (sid) Die dreifache Schwimm-Olympiasiegerin Stephanie Rice wird sich im Anschluss an die Commonwealth Games in Indien (3. bis 14. Oktober) einer Schulter-Operation unterziehen. Dies teilte die Australierin am Mittwoch am Rande der Panpazifischen Spiele im US-Bundesstaat Kalifornien mit. Anzeige "Der Eingriff ist erforderlich und ich möchte die Beschwerden unbedingt loswerden. Anschließend werde ich die Schulter schonen um bei den australischen Meisterschaften im April 2011 starten zu können", sagte Rice, die bei den Sommerspielen in Peking Gold über 200 und 400m Lagen sowie mit der 4x200-m-Freistilstaffel gewonnen hatte. Die 22-Jährige klagt seit März über Schmerzen in der rechten Schulter und hat wegen der anhaltenden Beschwerden ihr Wettkampf-Programm bei den Panpazifischen-Spielen von sieben auf drei Starts reduzier [Website]t. 19.8. Pan Pacific Swimming Championships, Irivine, 18.-22. August 2010 [Website] 15.8. Dreimal Gold für Russland. Am Samstag wurde an den Schwimm-Langbahn-Europameisterschaften in Budapest gleich dreimal die russische Hymne gespielt. Bei den Männern triumphierten Stanislaw Donez (über 200 m Rücken), Jewgeni Korotischkin (100 m Delfin) sowie die 4x200-m-Crawlstaffel in der Besetzung Nikita Lobinzew, Daniel Isotow, Sergei Perunin und Alexander Suchorukow. Einziger nicht-russischer Sieger am vorletzten Finalabend in Budapest war der Italiener Fabio Scozzoli über 50 m Brust. Bei den Frauen wurde die Dänin Lotte Friis über 1500 m Crawl Nachfolgerin von Flavia Rigamonti, womit sie sich das Langstrecken-Double sicherte. Über 200 m Crawl gewann erwartungsgemäss Olympiasiegerin Federica Pellegrini aus Italien, über 50 m Rücken die Weissrussin Alexandra Herasimenia. Bereits in den Vorläufen über 50 m Crawl schied 100-m-Olympiasieger Alain Bernard aus. Der Franzose, der nur 15 Stunden zuvor über 100 m EM-Gold geholt hatte, war trotz der starken Zeit von 21,99 nur drittbester Franzose hinter Europarekordhalter Frédérick Bousquet (21,65) und Fabien Gilot (21,91). Nur jeweils zwei Schwimmer pro Land können sich für die Halbfinals qualifizieren [Website] [OmegaTiming]. 14.8. Bernard gewinnt den 100-m-Sprint. (si) Der Franzose Alain Bernard hat in Budapest seinen EM-Titel über 100 m Crawl verteidigt. Olympiasieger Bernard setzte sich in 48,49 durch. Silber ging an den Russen Jewegeni Lagunow, der sich um drei Hundertstel geschlagen geben musste. Bernards Landsmann William Meynard wurde in 48,56 Dritter. Auch über 800 m Crawl kam der Sieger aus Frankreich. Sébastien Rouault überholte auf der letzten Bahnlänge noch den zuvor führenden Deutschen Christian Kubusch und sicherte sich seine zweite Goldmedaille in Budapest nach derjenigen über 1500 m. Gold bei den Frauen ging am fünften von sieben Wettkampftagen in der ungarischen Hauptstadt an die Russin Anastasia Tschaun (über 200 m Brust) und die Schwedin Sarah Sjöström (100 m Delfin) [Website] [OmegaTiming]. 13.8. Ungarn holt dreimal Gold. (si) Gastgeber Ungarn gewann am Donnerstag in Budapest gleich dreimal EM-Gold. Zunächst setzte sich über 200 m Lagen Katinka Hosszu um einen Hunderstel vor ihrer Landsfrau Evelyn Verraszto durch. Danach gewann Daniel Gyurta über 200 m Brust nach dem Welt- auch den Europameistertitel. Für den krönenden Abschluss aus Sicht des Gastgebers sorgte die 4x200-m-Crawlstaffel der Frauen. Schlussschwimmerin Verraszto schlug nach packendem Zweikampf mit der Französin Camille Muffat um zwei Zehntel früher an. Die weiteren Goldmedaillen am vierten Wettkampftag in der ungarischen Hauptstadt gingen an den Franzosen Camille Lacourt, der über 50 m Rücken den Weltrekord nur um drei Hundertstel verpasste, sowie an den Polen Pawel Korzeniowski (200 m Delfin), die Dänin Lotte Friis (800 m Crawl) und die Britin Gemma Spofforth (100 m Rücken) [Website] [OmegaTiming]. 12.8. Biedermann Europameister - Meichtry Siebter. [Website] [OmegaTiming] (nzz) Paul Biedermann hat an den EM in Budapest seinen Titel über 200 m Crawl erfolgreich verteidigt. Der Deutsche verwies den Russen Nikita Lobintsew und den Niederländer Sebastiaan Verschuren auf die Plätze 2 und 3. Dominik Meichtry wurde nur Siebenter. Wenn Dominik Meichtry schwimmt, fährt einem der Schmerz allein vom Zuschauen durch Mark und Bein. Denn er schwimmt so: einfach mal Vollgas – und hinten raus schauen, was daraus wird. An den Olympischen Spielen in Peking ging das wunderbar auf, im Vorlauf über 200 Meter Crawl schlug er in 1:45,80 Minuten sogar Michael Phelps, und im Final wurde er Sechster. Am Mittwochabend an den EM in Budapest war das Rezept dasselbe, Zeit und Resultat jedoch nicht. Denn Meichtry war noch geschwächt von den alles andere als glimpflichen Magenproblemen, die ihn tags zuvor fast den Halbfinal- und später den Finaleinzug gekostet hätten. Im Final zog er los wie ein Wildgewordener, nach 50 und 100 Metern wendete er jeweils als Erster, etwa eine halbe Körperlänge vor dem Weltrekordhalter Paul Biedermann, dem späteren Sieger. Er schwamm auf Bahn 8, weit weg von den Favoriten auf den Bahnen 3 bis 6, trotzdem versuchte er, so nah an der äusseren Leine zu schwimmen wie möglich. Die Gegner sollten möglichst spät merken, wie weit er schon voraus war. Nach 150 Metern lag er immer noch auf Platz 2, nur Biedermann war inzwischen an ihm vorbeigezogen – ähnlich wild geworden wie Meichtry, weil er nach den 400 Metern Crawl am Montag in deutschen Zeitungen hatte lesen müssen, er habe «nur» Silber gewonnen. Nur! Meichtry hätte über 200 Meter alles für Silber gegeben, ohne Frage. Er stiess sich von der Wand ab, noch eine Länge lag vor ihm, noch 50 Meter. Dann geschah anatomisch recht Aussergewöhnliches – er nahm nämlich, wie man unter Sportlern sagt, das Herz in die Hand, stellte die Kommunikation zwischen Kopf und schmerzendem Körper ab und prügelte sich die Lunge aus dem Leib. Die Züge wurden kürzer, und die Technik, die ihn sonst auszeichnet, ging vergessen. Der Pulsschlag wurde hart und härter, schnell und schneller, es war, als wäre er bis hinauf zur Tribüne zu hören. Trotzdem wurde Meichtry noch auf Platz 7 durchgereicht, vom Sieger trennten ihn in 1:48,05 Minuten knapp zwei, vom Podest gut eine Sekunde. Er atmete eine Weile lang schwer und sprach im ersten Moment davon, «schon ein bisschen enttäuscht» zu sein. Dann ging er ins Ausschwimmbecken, zog ein paar Längen, diesmal in aller Ruhe, schwamm sich das Lactat aus den Muskeln, machte sich Gedanken. Als er aus dem Wasser stieg, sagte er: «Irgendwann wird es wieder aufgehen, wie damals in Peking, irgendwann pokere ich richtig und stehe am Ende ganz oben.» Dazu muss man wissen, dass Meichtry die 200 Meter nicht anders schwimmen kann als so, wie er es immer tut. Er kann nicht taktieren wie die anderen, weil er am Ende, noch so eine anatomische Aussergewöhnlichkeit im Wortschatz der Sportler, «langsam stirbt». Zudem ist er der Meinung, und damit lehnt er sich gleichsam gegen ein schwimmerisches Grundgesetz auf, dass die 200 Meter generell «von vorne» geschwommen werden sollten, er glaubt, dass sie dem 100-Meter-Sprint ähnlicher sind als dem 400-Meter-Ausdauerrennen. «Es ist mein Vorteil, dass ich finde, die 200 Meter müssen wie ein Sprint geschwommen werden. Hoffentlich merken die andern das möglichst lange nicht.» Er lachte, als er das sagte, das war ja nun wirklich kein schlechtes Zeichen. Schneller als 1:48,05 war er ohne Ganzkörperanzug noch nie geschwommen, vor 2008 lag die Bestzeit bei 1:48,49. Damit darf man mal zufrieden sein, auch wenn die Ära der Bodysuits den eher schmächtigen Meichtry weniger bevorteilt hatte als andere. Trotzdem hat auch er sich auf das Anzugsverbot einstellen müssen, er verlor 5 Kilo, weil er kaum noch Zeit im Kraftraum verbringt. Seit dem letzten Sommer trainiert er in Los Angeles in einer internationalen und renommierten Gruppe um den Coach Dave Salo. Meichtry hat sich Salo sehr bewusst ausgesucht, weil es im Hinblick auf die Spiele 2012 in London nur einen Aspekt gibt, an dem er arbeiten will – die letzten 50 Meter. Was sonst. Das werden zwei harte Jahre, in Budapest hat er sich schon einmal darauf einstellen können. Der Halbfinal am Dienstag, sagte er, sei das härteste Rennen seiner Karriere gewesen. «Ich hatte mich miserabel gefühlt und war trotzdem weitergekommen. Das macht mich stolz.» Zumal er erst zum zweiten Mal überhaupt an einer internationalen Meisterschaft im Final stand. Mal war der seit vielen Jahren in den USA trainierende St. Galler abwesend, mal fehlte ihm das Glück, beispielsweise 2009 an den WM in Rom, als er Neunter wurde. Dennoch war er heuer der mit Abstand älteste Schwimmer im Final, die anderen waren zwei bis sieben Jahre jünger. Meichtry ist 26 – was für eine Welt, in der man mit 26 zum alten Eisen gehört! Ist doch logisch, dass da alles ein bisschen mehr schmerzt als bei den Jungspunden. 11.8. Lang im EM-Halbfinal. Flori Lang sicherte sich am dritten EM-Wettkampftag in Budapest als Vorlaufzwölfter über 50 m Rücken die Teilnahme an den Halbfinals am Abend. Der Zürcher Sprintspezialist schlug in 25,60 an, womit er eine halbe Sekunde langsamer war als der Vorlaufschnellste, der Israeli Guy Barnea. Viel Luft gegen hinten hatte Lang, der vor zwei Jahren in Eindhoven auf dieser Strecke EM-Silber gewonnen hatte, nicht mehr. Wäre der 25-jährige Stadtzürcher nur um vier Hundertstel langsamer geschwommen, so hätte er die Qualifikation für die Top 16 verpasst. Für die Finalteilnahme ist wohl eine Zeit um 25,3 gefordert, Langs Schweizer Rekord steht seit letztem Jahr bei 24,75. Lang gab kurz vor seinem ersten Einsatz in Ungarn auch bekannt, dass er künftig nicht mehr in der Region Zürich, sondern in Graz trainieren wird. Dort will er zusammen mit Trainerin Ingrid Flöck die Olympischen Spiele 2012 in London vorbereiten. Nebst Lang steht heute Abend kurz nach 18 Uhr auch noch Dominik Meichtry im Final über 200 m Crawl im Einsatz. Gegenüber Dienstag, als er über eine Magenverstimmung klagte, geht es dem 25-jährigen St. Galler schon wieder viel besser. Meichtrys Taktik im Kampf um die Medaillen geht dahingehend, dass er die ersten 100 m sehr schnell angehen und dann auf der zweiten Hälfte der Distanz das Tempo möglichst lange aufrechterhalten will. Ivana Gabrilo schied am Mittwoch in den Vorläufen aus. Die Tessinerin wurde über 100 m Rücken in 1:05,05 nur 38. unter 44 Teilnehmerinnen. 11.8. Schweizer Schwimmer in der Fremde. (nzz) Man muss nicht immer alles zum Vergnügen machen, auch wenn die moderne Spassgesellschaft einem das vorgaukelt. Man kann auch in eine Ortschaft mit dem schönen Namen Surfers Paradise ziehen – und vom Paradies erst einmal gar nichts sehen wollen. Diesen September geht Martina van Berkel nach Australien. Sie ist 21-jährig, das tun viele Menschen in ihrem Alter, aber die wollen die Welt sehen, den Strand, die Sonnenuntergänge, das schöne Leben, und nebenbei studieren sie noch. Van Berkel wird nebenbei auch studieren, aber vor allem wird sie sich täglich in den Pool stürzen. Und trainieren. Viele Stunden und viele Kilometer trainieren. Van Berkel sucht das Glück in der Fremde – und gehört damit zur neuen Mehrheit im siebenköpfigen EM-Team von Swiss Swimming. Der Langstreckenspezialist Stefan Sigrist disloziert im Herbst ebenfalls nach Surfers Paradise, der Rückenschwimmer Flori Lang, ein EM-Silbermedaillen-Gewinner, geht nach Graz. Und Dominik Meichtry trainiert seit vielen Jahren quasi überall auf der Welt, in Südafrika und Hongkong, jetzt ist er in Los Angeles, nur in der Schweiz war er eigentlich nie. Van Berkel, Lang und Meichtry sind grosse Hoffnungen für die Spiele 2012 in London, dazu kommt die Olympiasechste von 2008, die Open-Water-Schwimmerin Swann Oberson. Auch sie hat ihren Klub in Genf kürzlich verlassen und ist nach Würzburg gezogen, wo die besten Deutschen trainieren. Der Wechsel ins Ausland hat System im hiesigen Schwimmen, aber in dieser Häufung ist er neu. Das hängt mit einer generellen Internationalisierung zusammen, immer öfter finden Athleten und Coachs zueinander, die zwar nicht dieselbe Nationalität haben, aber ähnliche Trainingsphilosophien. Andererseits stellen ambitionierte Schwimmer immer mehr fest, dass sich ihr Leistungsdenken und ihre Ansprüche nicht mit den Zuständen in der Schweiz decken. Flori Lang zum Beispiel ist im letzten Halbjahr wieder einmal fast verzweifelt: Er ist ein Schwimmer mit sehr eigenen Ideen, die selten mit dem Programm eines Klubs vereinbar sind. Also übte er alleine, unterstützt von der Schwester – und oftmals schrecklich früh am Morgen, weil schon für die Vereine zu wenig Platz vorhanden ist in den Bädern, geschweige denn für einen Einzelgänger. In Graz stösst er zu einer Trainerin, die ähnlich arbeitet wie der deutsche Bundestrainer Dirk Lange. Lang war einmal eine Weile bei Lange, als der ein Team in Südafrika betreute, er war mit sich als Sportler nie zufriedener als damals – und lässt sich bis heute von Lange beraten. Dessen Prinzip: kürzere, aber intensivere und intelligentere Trainings. Van Berkel sucht nicht primär andere Trainings, sondern andere Trainingspartner. Bei den Zürcher Limmat Sharks war sie die mit Abstand beste Frau, wenn sie sich in einer langen Serie antreiben lassen wollte, musste sie die Männer nach vorne schicken. «Das ist natürlich nicht das Gleiche, wie wenn eine schnellere Frau vorausschwimmt», sagt Dirk Reinicke, van Berkels Trainer. Er findet es «total gut», dass sie sich in die Ferne wagt, zumal Denis Cotterell sie an Australiens Ostküste betreuen wird. Cotterell hatte mit dem ehemaligen Weltrekordhalter Grant Hackett bis 2008 haufenweise Erfolge gefeiert. Reinicke hofft, dass van Berkel ihm nicht ganz verloren geht, dass sie sich ab und zu in Zürich blicken lässt und etwas von der Erfahrung und dem Selbstvertrauen nach Hause trägt. Denn das ist natürlich der Nachteil, wenn die besten Schweizer Schwimmer immer öfter im Ausland trainieren – sie fehlen daheim, den Klubs, den andern Sportlern. Für Steffen Liess, den Leistungssportchef im Verband Swiss Swimming, ist das ein Nachteil, der sich verschmerzen lässt. «Klar bedaure ich, dass viele unserer Sportler irgendwann ins Ausland müssen», sagt er, aber hauptsächlich sei er stolz, dass es überhaupt Schweizer Schwimmer zu den besten Teams in Deutschland, den USA und Australien schaffen. «Die nehmen da ja nicht jeden Idioten.» Martina van Berkel hatte sogar die Auswahl zwischen zwei australischen Teams. Sie entschied sich für Surfers Paradise, weil in der Nähe die Bond University ist und dort pro Jahr drei statt nur zwei Semester absolviert werden können. Diesen Sommer hat sie an der Universität Zürich den Bachelor gemacht. «Ich fand einfach, die Zeit sei reif für einen Wechsel», sagt sie. Irgendwann wird die Zeit reif sein für die Rückkehr. Jonathan Massacand, er hat die EM-Limite knapp verpasst, war jetzt zwei Jahre in Marseille – und kehrt nun mit neuen Ideen und neuer Energie in die Schweiz zurück, ins Leistungszentrum nach Tenero. Nicht zum Vergnügen, sondern weil er es noch einmal an die Olympischen Spiele schaffen will. 10.8. Meichtry im 200-m-Final. (si) Trotz einer Magenverstimmung hat sich Dominik Meichtry in Budapest in seiner Paradedisziplin 200 Meter Crawl für den EM-Final vom Mittwochabend qualifiziert. Der St. Galler zeigte in den Halbfinals eine starke Willensleistung und schlug als Achter in 1:48,92 an. (si) Dominik Meichtry, der seit Montagnachmittag über Übelkeit klagte und sich mehrere Male übergeben musste, steigerte sich gegenüber dem Vorlauf gleich um 1,3 Sekunden. Neben dem Olympia-Final vor zwei Jahren in Peking, in welchem er über 200 m Crawl den 6. Platz belegte, ist das Erreichen der Top 8 in Budapest erst Meichtrys zweite Final-Qualifikation an einem internationalen Langbahn-Grossanlass. Die Reserve auf den neuntklassierten Deutschen Tim Wallburger betrug allerdings nur zehn Hundertstel. Mit Abstand der Halbfinalschnellste über die vier Bahnlängen war der Deutsche Weltrekordhalter Paul Biedermann, der in 1:46,88 die Konkurrenz um neun Zehntel und mehr distanzierte. Anzeige . . Eine Enttäuschung setzte es am zweiten Wettkampftag in Budapest für die Brustspezialistin Stéphanie Spahn ab. Die 19-jährige Zürcherin ging ihr EM-Début forsch an. Nach guten ersten 50 Metern brach sie allerdings auf der zweiten Bahnlänge ein. Letztlich klassierte sich Spahn über 100 m Brust in 1:11,20 nur im 23. Rang; zur Halbfinal-Teilnahme fehlten ihr 0,61 Sekunden. Im Vorlauf über 1500 m Crawl blieb der in den letzten Tagen krank gewesene Schaffhauser Stefan Sigrist in 16:23,14 fast 50 Sekunden über seiner persönlichen Bestzeit, womit er sich nur als 21. und Letzter klassierte [Website] [OmegaTiming]. 10.8. Lacourt schwimmt EM. (si) Der Franzose Camille Lacourt sorgte an den Europameisterschaften in Budapest für den ersten kontinentalen Rekord. Lacourt gewann über 100 m Rücken in 52,11, einzig der Weltrekordhalter Aaron Peirsol (USA) schwamm über diese Distanz je schneller. Der 25-Jährige aus Narbonne, der bisher an internationalen Grossanlässen noch nie eine Medaille gewann, distanzierte seinen zweitklassierten Landsmann Jérémy Stravius um mehr als 1,3 Sekunden. Die fünf Titel am zweiten Wettkampftag in der ungarischen Hauptstadt gingen an Schwimmer aus fünf verschiedenen Ländern. Neben Lacourt sicherten sich der Spanier Rafael Munoz (über 50 m Delfin), der Norweger Alexander Dale Oen (100 m Brust), die Schwedin Therese Alshammer (50 m Delfin) und die Britin Elizabeth Simmonds (200 m Rücken) EM-Gold [Website] [OmegaTiming]. 10.8. «Meine Mutter spricht kein Englisch». (nzz) Der Weltrekordhalter Rafael Muñoz hat nichts anbrennen lassen am Montag. Er pflügte durchs Wasser mit kräftigem Zug, dann zog er an den Journalisten vorbei mit schnellem Schritt. Muñoz, ein Spanier von 22 Jahren, aufgewachsen in Andalusien, qualifizierte sich über 50 Meter Delphin standesgemäss als Erster für den Final vom Dienstag. Schliesslich ist er Weltrekordhalter. Aber mehr als ein paar nichtssagende Worte liess er sich nicht entlocken. Vermutlich wusste er, warum. Es ist nämlich durchaus umstritten, ob Muñoz überhaupt hätte starten dürfen an diesen Schwimm-Europameisterschaften. Genaugenommen hat er die Teilnahme dem Anti-Doping-Panel des Weltverbands Fina zu verdanken. Seit den Weltmeisterschaften letzten Sommer in Rom war er bei drei unangekündigten Dopingtests nicht auffindbar, was üblicherweise eine Sperre von zwei Monaten bis zwei Jahren nach sich zieht. Aber Muñoz wurde nicht gesperrt. Anzeige . . Letzte Woche hatte er sich vor drei Vertretern des Anti-Doping-Panels erklären müssen, er tat dies nicht alleine, sondern in Begleitung eines spanischen Arztes namens José Carlos Jaenes Sanchez. Der Arzt, ein Psychologe, teilte dem Panel mit, dass Muñoz sich zum Zeitpunkt des ersten verpassten Tests vergangenen Herbst in einem gemäss Fina-Statement «verwundbaren psychologischen Zustand» befunden habe. Das reichte dem Panel als Begründung. Die Fina sprach Muñoz frei – und teilte ihm die frohe Botschaft gleich im Anschluss ans Hearing mit. Das war eine aussergewöhnlich schnelle Entscheidfindung. Als wollte sie sich der eigenen Glaubwürdigkeit versichern, schrieb die Fina tags darauf: «Trotzdem hat Herr Muñoz zwei Tests verpasst.» Wenn das bis nächsten Sommer noch einmal vorkomme, müsse er Sanktionen befürchten. Das Problem mit dem Freispruch ist: Er kann als Präzedenzfall verstanden werden – und zwar im schlechten Sinn. Er sagt den Schwimmern: Macht euch mal keine Sorge, wenn ihr euren Aufenthaltsort ungenau angebt. Ihr könnt auch dreimal ungenau sein und müsst trotzdem keine Sperre befürchten. Erik van Heijningen, der Vorsitzende des Anti-Doping-Panels, widerspricht dem vehement, er sagt: «Wir haben uns nicht leichtfertig entschieden. Die Argumente des Arztes von Muñoz waren überzeugend. Wer das als Präzedenzfall deutet, unterschätzt unsere Intelligenz.» Das mag sein. Trotzdem hinterlässt der Entscheid einen schalen Nachgeschmack, weil ein Sportler mit einem Vergehen davonkam, das in anderen Fällen (zum Beispiel jenem der Leichtathletin Christine Ohuruogu) zu langen Sperren führte. Das Signal, das der Fall aussendet, ist gefährlich – und macht es der Fina nicht unbedingt leichter, die oft als zu lasch kritisierte Anti-Doping-Politik zu rechtfertigen. Cornel Marculescu versuchte es am Montag trotzdem, der NZZ sagte er: «Der Schwimmsport ist auf einem guten Weg. Es gibt ab und zu einen Unfall, aber im Grossen und Ganzen haben wir kein Dopingproblem.» Marculescu muss das so sehen. Er ist der Generalsekretär der Fina. Niemand behauptet, Muñoz sei gedopt gewesen. Aber er hat die simpelsten Regeln missachtet – wenngleich glaubhaft erscheint, dass er psychologische Probleme hatte. Die WM letzten Sommer hatte er in Marseille vorbereitet, wo er sich massenhaft Muskeln zulegte und im Nu sehr viel besser wurde – aber nicht glücklicher, wie er später sagte. Quellen aus Spanien berichten, dass es bei der Rückkehr von den WM fast zum Eclat gekommen sei: Der Verbandspräsident wollte, dass Muñoz mit seinen zwei Bronzemedaillen am Flughafen für die Fotografen posierte – Muñoz jedoch stieg in ein Taxi, ohne ein Wort zu sagen. Danach setzte er lange mit dem Training aus und war für niemanden erreichbar. Auch die Briefe der Anti-Doping-Behörden liess er unbeantwortet, weil er, wie er sagt, nicht zu Hause in Córdoba gewesen sei und dort keiner gemerkt habe, worum es sich bei den Schreiben handle. «Meine Mutter spricht kein Englisch.» Offenbar trug er sich mit dem Gedanken, die Karriere zu beenden und alles hinzuschmeissen, vorübergehend soll er zwecks Selbstfindung in einem Wohnwagen in Barcelona gehaust und regelmässig den Psychologen Sanchez aufgesucht haben. Der sagt, Muñoz habe nicht gewusst, was er mit seinem Leben anfangen solle. Es sieht aus, als wüsste er es wieder. Er will Medaillen gewinnen, am Dienstag ist er unangefochtener Favorit. Allein: Selbst wenn er siegt, kann er sich des Triumphs nicht sicher sein. In einem Mail teilte ein Sprecher der Welt-Anti-Doping-Agentur der NZZ mit, dass man die Fina um die Unterlagen zum Muñoz-Fall gebeten habe. «Wie bei jeder solchen Entscheidung», so der Sprecher, «haben wir auch hier das Recht, ans TAS zu gelangen.» Das TAS ist der Internationale Sportgerichtshof. Es ist nicht auszuschliessen, dass die Richter zu einem anderen Ergebnis kommen als die Fina. Wer während neun Monaten nicht mitteilt, wo er für Dopingtests zu erreichen ist, macht sich per se verdächtig. Jede Ausnahme davon wäre ein Schlupfloch, welche Gründe es für das Versteckspiel auch immer geben mag. cag. ⋅ Im normalen Leben sind 6 Sekunden ein Klacks, sie reichen beispielsweise nicht einmal, um sich anständig zu begrüssen. Aber der Spitzensport ist nicht das normale Leben, 6 Sekunden können dort eine Weltreise sein – oder der ganz und gar definitive Abschied von den in Ganzkörperanzügen erzielten Zeiten des Jahres 2009. 3:40,06 Minuten war der Deutsche Paul Biedermann im heissen Sommer von Rom über 400 Meter Crawl geschwommen, er wurde Weltmeister mit Weltrekord. Am Montag in Budapest war er viel langsamer, genaugenommen 6 Sekunden und 24 Hundertstel. In 3:46,30 wurde er Zweiter hinter dem erst 18-jährigen Franzosen Yannick Agnel (3:46,17) – der Überraschungsmann von 2009 liess sich schlagen vom Überraschungsmann 2010. Anzeige . . Agnel hatte schon an den Junioren-EM angedeutet, dass mit ihm zu rechnen ist, dreimal gewann er Gold. Aber sein Trainer war sich nicht sicher, ob er mit dem Druck bei der Elite bereits klarkommen würde. Wie sich herausgestellt hat, kommt er ganz gut klar. Wie er damit umgegangen sei, dass neben ihm der Weltrekordhalter schwimmt, wurde er gefragt. Und Agnel, ein langer Schlaks mit breitem Lachen, sagte: «Ich hatte einfach eine sehr alte Schwimmbrille angezogen, mit der man kaum etwas sieht.» Das stimmt vermutlich nicht, es wäre auch zu frech, aber ein Sieger darf sich ja wohl einmal ein Spässchen erlauben. 10.8. EM-Gold für französischen Teenager. (si) Erster Höhepunkt der Langbahn-EM in Budapest war das Duell über 400 m Crawl zwischen dem Deutschen Paul Biedermann und dem Franzosen Yannick Agnel. Etwas überraschend hatte Biedermann, der Weltrekordhalter über diese Distanz sowie Doppelweltmeister von Rom (200 und 400 m), gegen den erst 18-jährigen Agnel das Nachsehen. Der 2,01 m grosse und nur 80 kg schwere Teenager aus Nimes hielt Biedermanns Schlussangriff stand und triumphierte in persönlicher Bestzeit von 3:46,17. Biedermann schlug um 0,13 Sekunden später an. Agnel, der an den letzten zwei Nachwuchs-Europameisterschaften gleich achtmal Gold scheffelte, sicherte sich somit gleich in seinem ersten EM-Rennen bei der Elite die Goldmedaille. Der zweite Einzeltitel am ersten Wettkampftag der Schwimmer in der ungarischen Hauptstadt ging an die Britin Hannah Miley (400 m Lagen). In den Staffeln über 4x100 m Crawl triumphierten Russland (Männer) und Deutschland) (Frauen [Website] [OmegaTiming]. 9.8. Meichtry startet verhalten über 400 m an der EM. (si) Dominik Meichtry verpasste an den Europameisterschaften in Budapest über 400 m Crawl die Finalteilnahme deutlich. Seine Paradedisziplin findet aber erst am Dienstag statt. storybild Dominik Meichtry. Den Turbo noch nicht gezündet. (Bild: Keystone) Der 25-jährige St. Galler insistierte auf der zweiten Hälfte über 400 m Crawl nicht mehr und klassierte sich in mässigen 3:57,99 Minuten unter 31 Schwimmern nur im 25. Rang. Vorlaufschnellster war der Russe Nikita Lobinzew in 3:49,92, für die Qualifikation für den Final der besten acht war eine Zeit von unter 3:51 nötig. Meichtry zeigte sich nach seinem ersten EM-Einsatz nicht beunruhigt. Der Olympia-Finalist von Peking betrachtet den Einsatz über 400 m jeweils nur als Aufwärmrennen, sein wichtigster Einsatz steht mit den 200 m am Dienstag erst noch bevor. Auch Van Berkel ausgeschieden Neben Meichtry stand am ersten Wettkampftag in Budapest einzig noch Martina van Berkel im Einsatz. Die 21-jährige Zürcherin schlug über 200 m Rücken als Siegerin ihres Vorlaufs in persönlicher Saisonbestzeit von 2:16,66 an. Als 20. verpasste Van Berkel die Halbfinalteilnahme allerdings um fast zwei Sekunden. European Swimming Championships, Budapest, 4.-15.8.2010 [Website] [OmegaTiming]. 9.8. Biedermann im Final. (afp) Trotz Problemen mit dem Wasser hat der zweifache Weltmeister Paul Biedermann die erste Hürde auf dem Weg zum anvisierten Doppel-Gold bei der Schwimm-EM in Budapest genommen. Der 24-Jährige aus Halle/Saale zog über 400 m Freistil in 3:50,07 Minuten als Vorlaufdritter ins Finale am Montagabend ein, war nach dem ersten Rennen im Becken auf der Margareteninsel inmitten der Donau aber alles andere als zufrieden. "Ich habe kein so gutes Gefühl wie noch bei der WM in Rom. Das Wasser hier ist weicher und wärmer, das liegt mir nicht so", sagte der Olympia-Fünfte und fügte mit leicht sorgenvoller Miene an: "Im Endkampf kann ich zwar noch etwas draufpacken, aber der Favorit bin ich nicht." Unter den Augen seiner Freundin, Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen, die auf der Tribüne die Daumen drückte, waren im Vorlauf nur der Russe Nikita Lobinzew (3:49,95) und der Brite Robbie Renwick (3:50,00) schneller als Biedermann. Frankreichs Shootingstar, der erst 18 Jahre alte Yannick Agnel, qualifizierte sich als Fünfter (3:50,27) für das Finale. . European Swimming Championships, Budapest, 4.-15.8.2010 [Website] [OmegaTiming]. 8.8. Lochte schlägt Phelps auch über 200 m Rücken. Ryan Lochte ist bei den US Trials in Irvine nicht zu stoppen. Der 26-Jährige bezwang den 14-maligen Schwimm-Olympiasieger Michael Phelps nun auch über 200 Meter Rücken. Als Michael Phelps erneut geschlagen das Becken verließ, hatte der US-Schwimmstar endgültig die Nase voll. Anzeige "Ich möchte das hier nie wieder machen", sagte der 14-malige Olympiasieger nach seiner zweiten Niederlage gegen Ryan Lochte innerhalb von 24 Stunden. Zum Abschluss der US Trials hatte es für den 25-Jährigen über 200m Rücken nur noch zu einem enttäuschenden vierten Platz gereicht. Zwar konnte Phelps wenig später schon wieder lachen, doch seine Motivationsprobleme wurden im kalifornischen Irvine einmal mehr deutlich. "Ich habe schon vorher geahnt, dass diese Woche nicht gerade spektakulär wird", sagte der Rekord-Olympionike, der zuletzt häufiger auf dem Golfplatz als im Wasser gesehen wurde. "Sagen wir es einmal so: Sein Training ist nicht so bodenständig", sagte selbst Trainer Bob Bowman. "Nur" drei Titel für Phelps Bei den US-Meisterschaften reichte es dann auch "nur" noch zu den drei Titeln über 200m Freistil sowie 100m und 200m Schmetterling. Die Show gestohlen wurde Phelps von Ryan Lochte, der mit ebenfalls drei Goldmedaillen und zweimal Silber erfolgreichster Akteur der Titelkämpfe wurde. "Ich habe Michael schon öfter geschlagen, aber noch nie in einem großen Rennen", sagte Lochte, nachdem er schon über 200m Lagen knapp vor seinem Rivalen angeschlagen hatte. Die Krönung folgte aber zum Schluss: Über die 200m Rücken gelang Lochte in der erstklassigen Zeit von 1:55,58 Minuten ein Start-Ziel-Sieg. "Als auf den letzten Metern die Konkurrenz immer näher kam, dachte ich nur: Super, jetzt wird es richtig eklig", sagte der Olympiasieger und versprach mit Blick auf die Pan-Pacific-Games (18. bis 22. August) an gleicher Stelle: "In zwei Wochen werde ich noch viel schneller sein." Superstar Phelps war da schon längst in der Umkleidekabine verschwunden. 10.000 Kilometer entfernt dürfte Paul Biedermann den Auftritt seines Rivalen mit besonderem Interesse verfolgt haben. Am Montag startet der Doppel-Weltmeister aus Halle in die EM in Budapest, im Blickpunkt stand dabei auch das Fernduell mit Phelps - zumal Biedermann gerade erst seine Weltjahresbestzeit über 200m Freistil an den Amerikaner verloren hat. In 1:45,61 Minuten war er 23 Hundertstelsekunden unter Biedermanns Zeit von den deutschen Meisterschaften geblieben. "Ich möchte einen schönen Gruß nach Amerika schicken", sagte Biedermann dann auch süffisant vor seinem ersten Start: Priorität in Ungarn hat für mich der Titel, aber nach dem Wettkampf über 200m Freistil möchte ich auch wieder die Jahres-Weltbestzeit haben." US National Championships, Irvine, 3.-7.8.2010 [OmegaTiming] 7.8. Lochte schlägt Phelps über 200 Meter Lagen. Der 14-malige Olympiasieger Michael Phelps hat sich bei den US Trials in Irvine/Kalifornien über 200 Meter Lagen seinem Landsmann Ryan Lochte beugen müssen. Ryan Lochte hat den 14-maligen Olympiasieger Michael Phelps bei den US Trials im kalifornischen Irvine besiegt. Anzeige Drei Tage nach seinem 26. Geburtstag gewann Weltmeister Lochte die 200m Lagen in der Welt-Jahresbestzeit von 1:54,84 Minuten vor Phelps, der in 1:55,94 immerhin noch die zweitbeste Zeit des Jahres auf dieser Distanz erzielte. "Ich habe Michael schon öfter geschlagen, aber noch nie in einem großen Rennen", sagte Lochte, in Peking Olympiasieger über 200 m Rücken und mit der US-Freistil-Staffel: "Der Schlüssel ist der Wechsel von Brust auf Freistil, da muss man ihn hinter sich haben. Wenn Michael mit Vorsprung auf die Freistil-Bahn geht, gibt es kaum eine Chance, ihn zu halten." Phelps hatte das Rennen vom Start weg auf der Schmetterlings- und der Rückenbahn angeführt, ehe Lochte auf der dritten Bahn (Brust) aufschloss und mit einer knappen halben Sekunde Vorsprung auf Freistil wechselte. Phelps hat in Irvine bislang die Rennen über 100 und 200m Schmetterling sowie über 200m Freistil gewonnen. Der Titel über 100 m Schmetterling war sein insgesamt 50. bei US-Meisterschaften.US National Championships, Irvine, 3.-7.8.2010 [OmegaTiming] [Mehr News] |
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