08.02.2013 Nicola Spirig ist Sportpreisträgerin 2012 der Stadt Zürich

Interview mit Olympiasiegerin Nicola Spirig

altDie Stadt Zürich hat die Olympia Gold Medaillen-Gewinnerin zum dritten Mal als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet.  Auf ihrer Webseite schreibt die Stadt: „Die dreissigjährige Athletin trainiert in zwei renommierten Zürcher Spitzenclubs: Laufen im Leichtathletik-Club Zürich (LCZ) und Schwimmen bei den Limmat Sharks.“ Nicola ist während ihrer Schulzeit schon bei Limmat  geschwommen und auch heute noch Mitglied.  Wir gratulieren Nicola zu diesen Hochleistungen und sind natürlich stolz darauf sie zu unseren Mitgliedern zählen zu können. Bei der Preisverleihung am 8. Februar hatten wir die Gelegenheit dieses Interview mit ihr zu führen.

 

Sie haben ein Jura Studium mit Hochleistungssport kombiniert. Wie blicken Sie darauf zurück? Hat das Studium Ihnen geholfen oder war es eine extra Herausforderung?

NS: Es war sicher ein Vorteil, dass ich sehr effizient war. Ich bin morgens bei Limmat geschwommen und anschließend an die Uni gegangen. Auch über den Mittag habe ich dann meinen Sport betrieben. Mir war die Abwechselung  immer wichtig und es hat  mir sicher gut getan neben meinem sportlichen Zielen, auch im Studium klare Ziele zu haben und eine Ausbildung abzuschliessen. Die Universität gab dazu auch die nötige Flexibilität, die mir ein selbständiges Lernen erlaubte ohne strikte Präsenspflicht. Es waren am Ende die Prüfungen die gezählt haben. Ich konnte dadurch auch zeitlich mein Studium etwas anpassen und bei den Olympischen Spielen von Athen und Peking eine Pause einbauen.  Dafür habe vielleicht etwas länger gebraucht. Ich bin aber heute sehr froh, dass ich mein Studium abgeschlossen habe. Es hat mir die Sicherheit für das Berufsleben gegeben und mir dann nachher erlaubt mich vollständig auf den Sport zu konzentrieren. Ob ich im Berufsfeld meiner Ausbildung je tätig sein werde, sehen wir dann noch. Vielleicht mache ich ja etwas in der Richtung Sportrecht. Der Beruf interessiert mich immer noch.  Auf jeden Fall hilft es mir im Moment bei Verhandlungen mit Sponsoren.

 

Wie kamen Sie zum Triathlon und welcher Stellenwert hatte Schwimmen? Kamen Sie ursprünglich aus einer bestimmten Sportart?

NS: Ich komme aus einer sehr sportlichen Familie. Meine Eltern waren beide sehr sportlich. Wir haben immer Sport gemacht und mein Vater war auch lange Zeit mein Trainer. Als ich etwa 6-7 Jahren alt war, fing ich mit Schwimmen an, zuerst beim Schwimmklub Kloten, später dann bei Limmat  und habe dann auch an der JSM teilgenommen. Mit meinem Vater zusammen bin ich immer Laufen gegangen.  Mit 10 habe dann ich mein ersten Triathlon bestritten, mit 16 an der Triathlon EM teilgenommen und mit 17 an der EM Cross. Die Vielseitigkeit war mir immer wichtig, ich habe die Abwechselung immer genossen, ohne eine von den drei Sportarten speziell zu bevorzugen. Laufen werde ich sicherlich auch nach dem aktiven Triathlon Sport noch weitermachen. Für das Laufen braucht man nicht viel, das kann man überall.

 

Was empfehlen sie jungen Sportlern, die Sport und Studium kombinieren wollen?

NS: Sich die Zeit effizient zu gestalten. Das war auch für mich immer wichtig. Ich musste mich sehr gut und selbständig organisieren. Schon in der Kantonschule bin ich immer während der Mittagszeit rennen gegangen. An der Uni wussten die wenigsten dass ich Triathlon machte. Ich habe mich einfach im Hintergrund selbst organisiert. Es braucht dazu eine starke Motivation, viel Selbstdisziplin und Wille.

 

Wie schätzen Sie die Infrastruktur in der Schweiz, bzw. im Raum Zürich ein, im Vergleich mit dem Ausland?

NS: Ich denke, dass Schweizer Athleten mehr Selbstverantwortung brauchen. Ich habe mich an der Uni auch selber organisieren müssen. Ich habe überall trainiert,  in der Schweiz, auch viel in der West-Schweiz, wie auch im Ausland. Im Grunde musste ich mir die Möglichkeiten selber suchen und schaffen. Der Stellenwert oder die Unterstützung vom Staat ist nicht so wie zum Beispiel in den Ländern Italien oder  Deutschland, wo die Athleten zum Teil sogar von der Bundeswehr angestellt werden, um trainieren zu können. Wichtiger aber ist es, das richtige Umfeld zu haben, eine gute Gruppe von Trainingspartnern und natürlich den richtigen Trainer. Ich habe mir immer die passende Trainingspartner gesucht, vor allem Männer, mit denen ich mich messen konnte. Dieses Umfeld ist fast noch wichtiger als die technische Infrastruktur. Vielleicht wird in anderen Ländern den Athleten mehr Unterstützung geboten, aber die Sichtweise, dass „Athlet“ kein Beruf ist, hat auch seine Vorteile: man braucht einen starken Willen, viel Selbstdisziplin und ein starkes Umfeld und das alles bildet dann auch eine starke Persönlichkeit. Die Tatsache, dass die Schweiz viele gute Athleten hat, beweisst ja, dass es auch funktioniert. Vielleicht auch gerade deshalb, weil man gezwungen ist sich selbst zu motivieren.

 

Woher holen Sie die Kraft, um immer wieder so intensiv zu trainieren?

NS:  Es motiviert mich extrem, mir ein hohes Ziel zu setzen und hart daran zu arbeiten, um es zu erreichen. Ich habe mir immer klare Ziele gesteckt und konsequent darauf hin gearbeitet.  Das war mit den drei Olympischen Spielen so, aber auch mit vielen anderen Höhepunkten in meiner Karriere. Diese Ziele geben mir die Motivation und die Energie, um auch Tiefpunkte wegstecken zu können und meinen Weg konsequent zu gehen.

 

Wie gut ist der Hochleistungssport mit dem Breitensport zu kombinieren und was empfehlen Sie Trainern und Vereinen?

NS: Es ist zwar wichtig ab einem gewissen Punkt und Alter zu differenzieren, aber am allerwichtigsten scheint mir das Umfeld und die Motivation in der Gruppe zu sein. Wenn die Zeiten und Leistungen mal etwas auseinander liegen, ist das nicht so schlimm. Aber jeder muss gleich stark motiviert sein sich einzusetzen. Wenn jedoch das zu weit auseinander liegt, ist es schwierig eine Gruppe zusammen zu schmieden.

 

Und zum Schluss: Erinnern Sie sich noch an das HiPoint Meeting und dürften wir Sie bald mal als Ehrengast einladen?

NS: Ja, natürlich erinnere ich mich an das HiPoint Meeting. Da bin ich früher auch gestartet. Ich hoffe, es wird auch dieses Jahr wieder ein super Anlass. Ich komme sehr gerne vorbei, wenn es der Terminkalender zulässt.

 

Das Interview führte Paul Meeusen.

 

Weitere Info zum Sportpreis finden sie [hier].

 

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