Schwimmverein Limmat: Zurück zur Homepage / Doping-Archiv
Nur eine von 130 Dopingproben beim Jungfrau-Marathon waren positiv. 35
Prozent der getesteten Läufer hingegen nahmen Schmerzmittel ein.
Von Jürg Greb
Beim Jungfrau-Marathon Anfang September wurde die weltweit erste grossangelegte
Dopingkontrolle im Breitensport durchgeführt. Von den knapp 3000 Läuferinnen
und Läufern, welche die 42,2 Kilometer von Interlaken auf die Kleine Scheidegg
bewältigten, wurden 130 Elite und Volkssportler zur Kontrolle gebeten.
Das Projekt der Konsumsendung "Espresso" von Radio DRS erhielt spontane Unterstützung
von den Trägern des Schweizer Sports: dem Olympischen Verband (SOV), Sportminister
Adolf Ogi und der Sportschule Magglingen. Ziel war ;es, den Istzustand festzuhalten,
um nicht mehr auf Spekulationen und Vermutungen angewiesen zu sein. Die ausgewählten
Läuferinnen und Läufer nahmen die Aufforderung grösstenteils
wohlwollend af. Nur drei wehrten sich mit mehr oder weniger plausiblen Gründen.
Eine einzige der 130 Proben, die im Schweizer Dopinglabor in Lausanne
nach den Richtlinien des SOV ausgewertet wurden, war positiv (auf Morphin/Codein).
Weil im Breitensport keine Sanktionen damit verbunden sein werden, wurde (auch
aus Kostengründen) auf eine B-Probe verzichtet.
Die Botschaft, "Marathonläufer sind sauber", ist allerdings nur bedingt
richtig:
34,6 Prozent der Urinproben zeigten die Einnahme von Schmerzmitteln,
die nicht auf der Dopingliste figurieren - 55,6 Prozent bei den Frauen, 29,4
Prozent bei den Männern. Verteilt auf das Alter zeigten sich vor allem
Sportler in einem mittleren Alter und solche mit gesundheitlichen Schwierigkeiten
anfällig. Das ergab die Auswertung der Antworten aus der gleichzeitig durchgeführten
Umfrage. Aufschlussreich ist auch, dass der Einsatz dieser Medikamente je nach
persönlicher Motivation der Teilnahme variiert: Steht die Gesundheit im
Vordergrund, ist die Einnahme von Schmerzmitteln geringer als wenn die Fitness
zentral ist. Von den kontrollierten Eliteläufern setzte keiner Schmerzmittel
ein.
Die Repräsentanten des Schweizer Sport sind sich einig, dass auch
hier Handlungsbedarf besteht. SOC-Präsident Rene Burkhalter sieht diesen
in der Prävention und verspricht bereits für Ende Jahr erste Anstrengungen.
"Der Begriff Doping", sagt er, "muss neu definiert werden." Es handle sich nicht
um ein Problem des Sports allein, sondern eines der Gesellschaft.
Dieser Ansicht ist auch Sportarzt Beat Villiger von der Thurgauisch-Schaffhausischen
Höhenklinik in Davos. Er betont,die Unwissenheit vieler sei gravierend:
"Doping ist unfair, Medikamentenmissbrauch gefährlich." In extremen Fällen
(bei zu wenig Flüssigkeitsaufnahme) kann dies zu Nierenversagen fuhren.
Beim Alpine Marathon in Davos hatte ein Läufer aus diesem Grund notfallmässig
ins Spital geflogen werden müssen. Nicht abschätzbar sind laut Villiger
auch die möglichen Spätfolgen. In aussagekräftigen Analysen wurde
aber herausgefunden, dass sich mit Schmerzmitteln die Leistung nicht steigern
lässt.
Link: Risiken von Schmerzmitteln (2009)
Schwimmverein Limmat: Zurück zur Homepage / Doping-Archiv / an den Anfang