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Schwimmverein Limmat Zürich |
Der Dopingforschung fehlt eine FinanzspritzeTA 15.3.2000US-Professor Don Catlin beklagte am Weltsportforum im Engadin die Untätigkeit von Sponsoren und Regierungen. Von Dieter Ringhofer, Pontresina Illusionen liess Don Catlin keine aufkommen. "Die Olympischen Spiele in Sydney werden nicht drogenfrei sein", sagte der Professor der UCLA in Los Angeles, der auch dem dortigen IOK-akkreditierten Dopinglabor vorsteht. Erst kürzlich hat er die ins Gerede gekommenen Zusatznahrungsmittel amerikanischer Firmen untersucht und Haarsträubendes festgestellt. "Wir haben viele nicht deklarierte, verbotene Substanzen gefunden. Nicht nur Nandrolon", sagt er. "Die Hersteller gehen auch beim Vertrieb geschickt vor." Das Doping ist gut organisiert. Mit der im Januar in Lausanne offiziell gegründeten Welt-Antidopingagentur (Wada) soll die Dopingbekämpfung harmonisiert und verstärkt werden. Doch das, was sich bisher ereignet hat, lässt bei Catlin keinen besonders grossen Optimismus aufkommen. "Wir können Epo und die Wachstumshormone immer noch nicht nachweisen. Dabei könnten in fünf bis zehn Jahren alle Probleme gelöst sein - wenn wir genügend Geld für die inzwischen zur Hightech-Industrie zählende Dopingforschung hätten." Allein, es fehlt an Geld, niemand will es im gewünschten Umfang geben. "Im vergangenen Jahr war ich bei den potentesten Sponsoren der USA zu Gast. Sie fragten mich, wie viel ich für eine effiziente Dopingforschung benötigen würde. Als ich sagte, etwa 25 Millionen Dollar, lächelten sie. Für sie sind das Peanuts. Doch geschehen ist bisher noch nichts." Auf 27 Millionen Dollar jährlich schätzt Catlin den Aufwand der 27 weltweit operierenden IOK-akkreditierten Dopinglabors. 25 Millionen Dollar hat das Internationale Olympische Komitee (IOK) der Wada als Startkapital zur Verfügung gestellt. Nun wartet es zu, bis die Regierungen, die vor einem Jahr bei der Weltkonferenz gegen Doping über ihre entsandten Minister (aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien) so starke Worte fanden, auch Taten folgen lassen. "Taktisch ist dieses Verhalten richtig. Die Politiker reissen den Mund weit auf, und nach einem Jahr sind sie verschwunden", stützt Catlin das IOK. "Auch die USA wären reich genug, um das Problem zu lösen. Unser Drogenbekämpfer Barry McCaffrey ist ein ausgezeichneter General, aber er denkt erzkonservativ. Für ihn ist Marihuana das grösste Übel, die Droge Nummer 1. Für den Sport ist Marihuana aber nur ethisch fragwürdig. Leistungsfördernd wirkt es nicht." Norwegen weist den Weg Am kommenden Mittwoch soll die Wada erstmals in kompletter Besetzung in Lausanne tagen. Der norwegische Athletenvertreter Johann-Olav Koss setzt grosse Erwartungen in die Sitzung, obwohl noch jene unabhängige Agentur gefunden werden muss, die die Dopingkontrollen vornimmt. Und auch die Harmonisierung der Strafmassnahmen muss noch an die Hand genommen werden. "Die Regierungen müssen die Entscheidungen der Wada untermauern, und in den einzelnen Ländern müssen unabhängige nationale Agenturen geschaffen werden", sagte der für die norwegischen Dopingkontrollen zuständige Rune Andersen am Weltsportforum St. Moritz. So weit wie Norwegen sind erst wenige Länder, und auch unter den Fachverbänden sieht es schlimm aus. Nur 7 von 38 olympischen Verbänden kennen Dopingkontrollen ausserhalb der Wettkämpfe. Doping kein Grund für Kündigung Die Überkommerzialisierung des Sports und die horrenden Verdienste der Topstars werden als neuste Gefahr geortet. "Die Fifa und andere Verbände erhöhen den Druck auf die Sportler immer mehr. Die Erholungszeit kommt durch die Vielzahl der Wettbewerbe zu kurz, und die Bereitschaft zu dopen steigt bei Teamleadern und Sportlern, wenn so viel Geld lockt", bemerkte der luxemburgische EU-Vertreter Georges Ternes. Die Worte stiessen nur auf ein bescheidenes Echo: Beim Thema Doping waren kaum zwei Dutzend Zuhörer im Saal. Die Sportartikelindustrie hat offenbar andere Sorgen. Als eine chinesische Schwimmerin anlässlich der Weltmeisterschaften 1998 in Perth mit Dopingmitteln im Gepäck am Flughafen festgenommen wurde, überlegte sich Speedo, ob es den Vertrag mit dem chinesischen Schwimmverband sistieren sollte. Speedo tat es nicht: Es hatte Angst, dass ein Konkurrent den Ausrüstervertrag übernehmen würde. "Die Dopingbekämpfung ist schwierig, der Übergang sehr lang, denn das Risiko wird für den Erfolg in den Hintergrund geschoben. Solche Leute sprechen auf Appelle nicht an." Michael Nobel, Oberhaupt der schwedischen Nobelpreisfamilie, Inhaber eines Schweizer Passes und während Jahren an der Universität Lausanne in der Dopingbekämpfung tätig, tritt deshalb für schärfere Strafen ein. Doch inzwischen ist erkannt worden, dass die vor den Gerichten nicht durchzusetzen sind. |