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Doping: Seit langem verboten - nach wie vor aktuell

Doping im historischen und sportmedizinischen Überblick

Von Matthias Kamber und Primus Mullis*

Seit den Zeiten des antiken Griechenland greifen Sportler zu leistungssteigernden Substanzen. Schon damals wurde deren Verwendung geahndet. In der Schweiz existiert seit 1967 eine Liste der verbotenen Substanzklassen. Trotz verschärften Kontrollen nimmt Doping zu. Besonders bedenklich ist, dass beispielsweise Anabolika zunehmend auch im Freizeitsport oder zur "allgemeinen Steigerung der Lebensqualität" eingesetzt werden. Denn die meisten der verwendeten Stoffe haben schwerwiegende Nebenwirkungen.

Spätestens seit der Tour de France 1998 oder dem Giro d'Italia 1999 ist Doping ein ständiges Thema in den Medien. Trotzdem wird der Ausdruck "Doping" oft falsch verwendet oder nicht umfassend verstanden. Was hat er beispielsweise in Werbetexten wie "Doping für ihre Waschmaschine", "Doping für müde Leuchten" oder "erlaubtes Doping für Ihren Wagen" zu suchen? - wobei der Ausdruck "erlaubtes Doping" ein Widerspruch in sich ist. Das Wort "Doping" stammt aus dem südafrikanischen Kafferndialekt und meint einen schweren Schnaps, der von den Eingeborenen während Festen getrunken wurde. In einem englischen Lexikon erschien der Ausdruck erstmals 1889. Damit wurde eine Mischung von Opium und Narkotika bezeichnet, die bei Pferderennen zum Einsatz kam. Entweder wurde das eigene Pferd aufgeputscht ("dope to win") oder aber das gegnerische vergiftet ("dope to lose"). Die so manipulierten Wettkämpfe verstiessen nicht nur gegen den Fairplay-Gedanken, sondern verfälschten auch die Wettresultate. Daher wurde bereits früh versucht, Doping im Pferdesport nachzuweisen. 1910 gelang es dem russischen Chemiker Bukowski erstmals, Alkaloide in Pferdespeichel nachweisen.

Schon zu Zeiten der ersten Olympischen Wettkämpfe im antiken Griechenland war es unter den Athleten üblich, zu leistungssteigernden Substanzen zu greifen. Bereits damals verstiessen diese Mittel gegen die Wettkampfregeln, und ihre Verwendung wurde mit öffentlicher Bekanntmachung, Geldstrafe und Disqualifikation geahndet. Üblich waren beispielsweise stimulierende Pilze, alkoholische Getränke oder Stierenblut. Später wurde die anregende Wirkung von Koffein, Alkohol, Nitroglyzerin, Opium und Strychnin genutzt. Und bis heute ist der Einsatz aufputschender, schmerzlindernder oder muskelaufbauender Stoffe unter Sportlern - nicht nur der Spitzenklasse - weit verbreitet.

Stimulanzien, Narkotika und Diuretika

In der Vergangenheit scheiterten verschiedene Versuche, Doping im Sport in medizinischer und juristischer Hinsicht klar zu definieren. Einerseits war das Problem zu komplex, andererseits kamen immer neue leistungssteigernde Mittel auf den Markt, was die Aufgabe zusätzlich erschwerte. Nach spektakulären Dopingfällen in den sechziger Jahren beschloss das Internationale Olympische Komitee 1967, mit der Gründung einer medizinischen Kommission den Kampf gegen Doping weltweit voranzutreiben und zu koordinieren. Diese Kommission verzichtete auf eine eigentliche Definition von Doping, verbot vielmehr einzelne Substanzklassen und Methoden. Daher besteht die heutige Dopingliste aus fünf verbotenen Substanzklassen (Stimulanzien, Narkotika, Anabolika, Diuretika sowie Peptid- und Glykoprotein-Hormone). Hinzu kommen einige Stoffe, deren Gebrauch eingeschränkt ist (Alkohol, Cannabis, Lokalanästhetika, Kortikosteroide und Betablocker). Zudem sind spezielle Methoden wie "Blutdoping" und Manipulationen der Dopingproben verboten. Die Dopingliste ist somit eine "offene" Liste, die für jede der verbotenen Klassen lediglich einige Beispiele nennt.

Stimulanzien sind Aufputschmittel, die kurzfristig eine Leistungssteigerung bewirken und die Stimmung heben. Sie sind die am längsten bekannten Dopingmittel und werden während des Wettkampfes eingesetzt. Die chemische Struktur typischer Stimulanzien wie Amphetamin oder Ephedrin ist derjenigen der körpereigenen Hormone Adrenalin und Noradrenalin verwandt, ihre Wirkung auf das vegetative Nervensystem ist daher ähnlich: der Energieumsatz wird gesteigert und die Ermüdung verzögert. Dabei werden Körpertemperatur, Puls und Blutdruck erhöht, so dass es zur Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems kommen kann. Stimulanzien wirken einerseits euphorisierend, können andererseits zu Stresssymptomen, Unrast und Aggression führen und sogar Depressionen auslösen. In hohen Dosen wird das körpereigene Warnsystem ausgeschaltet, und die "eisernen" Energiereserven werden aufgebraucht. Dies kann zu schweren Erschöpfungszuständen und im Extremfall zum Tod führen.

Diese zentral wirksamen, amphetaminähnlichen Substanzen haben ein erhebliches Suchtpotential. Entsprechend ist ihre medizinische Indikation begrenzt und umstritten. Sie werden beispielsweise als Appetitzügler, zur Behandlung hyperaktiver Kinder sowie bei schweren Depressionen verordnet. Die sogenannt indirekt wirkenden Stimulanzien sind in vielen Erkältungsmitteln und Nasentropfen enthalten - sie entspannen die Bronchialmuskulatur und lassen die Nasenschleimhäute abschwellen. Spitzensportler müssen daher am Wettkampftag auf diese Medikamente verzichten.

Die im Sport verbotenen Narkotika sind starke Schmerzmittel aus der Klasse der Opiate. Typische Beispiele sind Morphin, Heroin oder Methadon. Sie wirken auf das zentrale Nervensystem und dämpfen den Schmerz. In niedrigen Dosen heben sie die Stimmung, beeinträchtigen jedoch gleichzeitig die Konzentrations- und Koordinationsfähigkeit. Sie verändern die Stimmung bis hin zu psychischen Störungen und Abhängigkeit. In hohen Dosen trüben sie das Bewusstsein, lähmen das Atemzentrum und führen zum Tod.

Sowohl Opiate als auch Stimulanzien sind typische und wirksame Wettkampfdrogen, wobei die Narkotika vorwiegend bei Schmerzen verursachenden Kampfsportarten wie Boxen eingesetzt werden. Beide Substanzklassen sind im Doping einzeln wie auch in Kombination mit anderen Stoffen für mehrere Todesfälle verantwortlich. Sie sind deshalb seit 1967 verboten.

In die Klasse der Diuretika fallen Medikamente mit unterschiedlicher chemischer Struktur. Diuretika wirken auf die Niere und fördern die Ausscheidung von Urin. Stark wirksame Diuretika führen in wenigen Stunden zu grossem Wasserverlust und damit zu einer Gewichtsreduktion von ein bis drei Kilogramm. Sie stören den Wasser- und Salzhaushalt, können zu Muskelkrämpfen und, bei chronischer Anwendung, zu Nierenschäden führen. Die zur Therapie des Bluthochdrucks, der Herzmuskelschwäche oder von Ödemen eingesetzten Mittel werden vorwiegend in Sportarten mit Gewichtsklassen missbraucht. Diuretika dienen aber auch der Verdünnung verbotener Substanzen im Urin bis unter die Nachweisgrenze. Sie werden deshalb auch als "maskierende Substanzen" bezeichnet und stehen seit 1988 auf der Dopingliste.

Anabolika und Hormone

Anabolika bewirken eine Zunahme von Muskelmasse und dadurch von Kraft. Mit "Anabolika" werden auf der Dopingliste einerseits "androgen-anabole" Steroidhormone und andererseits weitere aufbauend wirkende Substanzen wie die sogenannten Beta-2-Agonisten bezeichnet. Chemische Struktur und Wirkung der androgen- anabolen Steroidhormone leiten sich vom männlichen Sexualhormon Testosteron ab. Die Derivate des Testosterons wirken "anabol" (aufbauend) und "androgen" (vermännlichend). Beta-2- Agonisten sind Wirkstoffe, die zur Behandlung von Asthma (Erschlaffung der glatten Muskulatur der Bronchien) und in der Tiermast eingesetzt werden. Denn in Tierstudien hat sich gezeigt, dass Beta-2-Agonisten die Muskelmasse steigern und gleichzeitig das Körperfett reduzieren, ohne aber einen vermännlichenden Effekt zu zeigen. So wurde dieser Anabolikum-Subtyp lange als "heissestes Medikament" innerhalb der Dopingszene gehandelt. Zur Inhalationstherapie bei Asthma sind daher lediglich noch drei "harmlose" Beta-2-Agonisten erlaubt.

Androgen-anabole Steroidhormone können je nach Anwendungsart, Dauer und Dosis viele verschiedene, zum Teil gefährliche Nebenwirkungen haben. So wird die Leber besonders durch die synthetischen, oralen Anabolika geschädigt. Die körpereigenen hormonellen Regelkreise werden gestört oder gar ausgeschaltet, was zur Schrumpfung der Hoden und einer Verminderung der Spermienproduktion führt. Gleichzeitig werden Männer teilweise verweiblicht, das Wachstum der Brüste kann angeregt werden. Bei Frauen dagegen wird die Stimme tiefer, die Brüste bilden sich zurück, es kommt zum Wachstum der Klitoris, und die monatlichen Regelblutungen bleiben aus. Werden Jugendliche mit Anabolika behandelt, wird das Grössenwachstums vorzeitig beendet. Durch die vermehrte Einlagerung von Wasser und die gesteigerte Blutbildung kann es zum Bluthochdruck kommen, was eine vermehrte Belastung des Herz-Kreislauf-Systems zur Folge hat. Neben depressiven Verstimmungen wird unter der Wirkung anaboler Steroiden eine erhöhte Aggressivität beobachtet.

Im Vergleich zur breiten Anwendung von Anabolika in den fünfziger und sechziger Jahren werden diese Substanzen in der Medizin heute kaum noch eingesetzt. Im Sport fanden Anabolika in den fünfziger Jahren vor allem bei Kraftsportarten Anwendung. Heute werden sie in allen Sportarten, zunehmend auch im Freizeitsport und zur "Steigerung der Lebensqualität", missbraucht. Anabole Steroide sind seit 1976 verboten, Beta-2-Agonisten seit Mitte der neunziger Jahre. Dass Anabolika typischerweise in der Wettkampfvorbereitung oder der Erholungsphase zum Zug kommen, ist einer der Gründe, weshalb Trainingskontrollen eingeführt wurden.

Zur Klasse der Peptid- und Glykoprotein-Hormone gehört das Wachstumshormon. Es fördert beim Kind das Wachstum sowie den Muskelaufbau. Unter seiner Wirkung nimmt die Kraft zu, gleichzeitig reduziert sich das Körperfett. Dieselben Veränderungen werden auch bei Erwachsenen mit einem Wachstumshormonmangel beobachtet, wenn sie mit dem Hormon behandelt werden. Sind die Hormonspiegel im Erwachsenenalter über längere Zeit deutlich erhöht, wachsen einzelne Körperteile wie Hände, Füsse, Kinn, Stirnwölbung, Nase sowie die inneren Organe teilweise zu grotesker Grösse und Form an.

Ob von aussen zugeführtes Wachstumshormon in hohen Dosen beim erwachsenen, gesunden Sportler zu einer Steigerung der Leistung durch Muskelaufbau führt, ist fraglich. Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine solche Therapie nicht den erhofften Erfolg bringt, sondern im Gegenteil Gelenkschmerzen, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit verursacht sowie das Krebsrisiko erhöhen kann. Auch Wachstumsfaktoren (z. B. IGF-1) fördern ähnlich wie das Wachstumshormon das Wachstum und können entsprechende Nebenwirkungen verursachen.

Erythropoietin (EPO) wird durch die Niere ausgeschüttet und kurbelt die Produktion der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) an. Dadurch verbessert sich die Aufnahme von Sauerstoff und damit die Ausdauerleistung. Als Nebeneffekt kommt es zu Bluthochdruck, und das "verdickte" Blut kann zum Tod durch Gefässverschlüsse in lebenswichtigen Organen führen. Corticotropin (ACTH) reguliert die körpereigene Produktion von Kortison und kann euphorisieren. Gleichzeitig werden die körpereigenen Zucker- und Fettreserven abgebaut. Einerseits wirkt das Hormon - wie Kortison - entzündungshemmend, macht den Körper aber andererseits für Infektionen anfälliger.

Wachstumshormon und -faktoren finden ihre verbotene Anwendung einzeln oder in Kombination mit Anabolika in Kraftsportarten und im Bodybuilding, aber auch zur Wettkampfvorbereitung und während langer körperlicher Beanspruchungen (z. B. Etappenrennen im Radsport). EPO wird typischerweise in Ausdauersportarten, zunehmend jedoch auch in Sportarten mit kürzeren Belastungen (Mittelstrecken, Mannschaftssportarten) eingesetzt. ACTH kommt während langer körperlicher Beanspruchungen zum Zug.

Für die Dopingbekämpfung stellt die heterogene Substanzklasse der Hormone ein besonderes Problem dar. Denn die Unterscheidung zwischen körpereigenen und von aussen zugeführten Substanzen ist routinemässig im Labor noch nicht möglich. Deshalb muss auf indirekte Nachweismethoden zurückgegriffen werden, um beispielsweise den Missbrauch von EPO einzuschränken. So haben einige internationale Verbände Blutkontrollen direkt vor dem Wettkampf eingeführt. Dabei wird der Gehalt an roten Blutkörperchen bestimmt. Ist der Wert zu hoch, das Blut also zu "zähflüssig", wird der betroffene Sportler aus medizinischen Gründen nicht zum Start zugelassen. Denn wegen des Risikos von Gefässverschlüssen würde er sich bei einem Ausdauerwettkampf zu stark gefährden. Dieser Ausschluss entspricht allerdings nicht dem Nachweis eines Missbrauchs von EPO und bedeutet auch nicht, dass die Dopingkontrolle positiv war.

Verbotene Methoden

Als verbotene Methoden gelten Blutdoping und die Manipulation von Dopingproben. Unter Blutdoping wird die Gabe von Blut, roten Blutkörperchen und künstlichen Sauerstoffträgern verstanden. Blutdoping dient, ähnlich wie EPO, der Steigerung der Ausdauerleistung. Mit der Manipulation von Dopingproben wird jede pharmakologische, chemische oder physikalische Massnahme zur Veränderung der Dopingprobe beschrieben. Darunter fallen der Austausch und die Verdünnung der Proben oder die Beeinflussung der Urinausscheidung durch Diuretika.

Trotz grossen Anstrengungen in den letzten Jahren konnte das Dopingproblem im Sport nicht gelöst werden. Eine repräsentative Bevölkerungsumfrage des Bundesamts für Sport zeigte 1998, dass 90 Prozent der Antwortenden Doping als "grosses" oder "ziemlich grosses" Problem im Spitzensport betrachten. Eine grosse Mehrheit wünscht zudem, dass mit verschiedenen Massnahmen aus den Bereichen Erziehung, Kontrollen und Forschung dagegen angegangen wird. Die Fachkommission für Dopingbekämpfung des Schweizerischen Olympischen Verbands will zusammen mit dem Bundesamt für Sport die Qualität der Arbeit und die Vernetzung mit nationalen und internationalen Partnern verbessern.

http://www.dopinginfo.ch

* M. K. ist beim Bundesamt für Sport, Magglingen, verantwortlich für die Dopingbekämpfung. P. M. ist Leiter der Abteilung für Endokrinologie/Diabetologie und Metabolik an der Universitätskinderklinik des Inselspitals Bern. Beide sind Mitglied der Fachkommission für Dopingbekämpfung des Schweizerischen Olympischen Verbandes.



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