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Schwimmverein Limmat Zürich |
Test auf gentechnisch hergestellte Wachstumshormone soll es nun erst bei den Olympischen Spielen 2004 geben
© Felix Gmünder, Schwimmverein Limmat Zürich
Von Pete Smith, Ärztezeitung Wachstumshormone (human Growth Hormone, hGH) zählen ausser Erythropoetin (EPO) und neuerdings künstlichen Sauerstoffträgern im Spitzensport zu den beliebtesten, weil schwer nachweisbaren Dopingpräparaten [Hintergrundinformationen]. Bislang gibt es kein vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zugelassenes Testverfahren auf hGH, dies soll sich jedoch bald ändern. Denn das IOC hat jetzt einer Münchener Forschungsgruppe um den Endokrinologen Privatdozent Christian Strasburger 425 000 DM zur Entwicklung eines Serientests bewilligt. Der Zusage aus Lausanne ist ein jahrelanger Streit zwischen dem IOC und den Wissenschaftlern aus der Arbeitsgruppe Neuroendokrinologie an der Medizinischen Klinik Innenstadt des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München vorausgegangen. Bereits 1999 hatten Strasburger sowie seine Kollegen Dr. Martin Bidlingmaier und Dr. Zida Wu im "Lancet" ein Nachweisverfahren vorgestellt, das vom IOC jedoch schlichtweg ignoriert wurde. Hintergrund: Damals arbeitete das internationale Konsortium GH 2000 mit Unterstützung des IOC und der Europäischen Union ebenfalls an einem Testverfahren, das es jedoch nicht zur Serienreife gebracht hat. Strasburger kündigte öffentlich an, sein Team könne bis zu den Olympischen Spielen von Sydney 2000 einen Test entwickeln, der auch vor Gericht Bestand hätte. Darauf gingen die Verantwortlichen beim IOC jedoch nicht ein. Der Münchener warf ihnen daraufhin in der "Ärzte Zeitung" Vogel-Strauss-Politik vor: "Die sperren sich, weil sie offenbar Angst davor haben, dass da zu viel hoch kommt." Anfang dieses Jahres schliesslich wagte Patrick Schamasch, Medizinischer Direktor des IOC, den "Gang nach Canossa": In München überzeugte er sich selbst von den Fortschritten der deutschen Wissenschaftler beim Nachweis von hGH und kündigte daraufhin eine Förderung des Projekts mit 460 000 Dollar an. Jetzt ist also knapp die Hälfte des Geldes für das zunächst auf zwei Jahre angelegte Forschungsprojekt bewilligt worden. Strasburger und seine Kollgen stellen die Serienreife des von ihnen zu entwickelnden Verfahrens jetzt für die Olympischen Spiele 2004 in Athen in Aussicht. Gentechnisch hergestelltes hGH ist von jenen Wachstumshormonen, die die Hypophyse produziert, kaum zu unterscheiden, da die Hauptform in beiden Fällen absolut identisch ist. Allerdings schüttet die Hirnanhangdrüse ausser der hGH-Hauptform auch verschiedene minimal unterschiedliche Varianten von hGH aus, die im synthetisch hergestellten Wachstumshormon nicht vorkommen. Das Münchener Nachweisverfahren basiert auf der unterschiedlichen Zusammensetzung von Haupt- und Nebenformen des hGH in natürlichen und gentechnisch produzierten Wachstumshormonen. Führt also ein Athlet gentechnisch hergestelltes hGH seinem Körper zu, so weist sein Blut eine überdurchschnittlich hohe Konzentration der hGH-Hauptform auf. Gleichzeitig bremst die Hypophyse die Produktion von eigenem hGH, da genug Wachstumshormone vorhanden sind. Dies führt zu einer weiteren Verminderung der hGH-Varianten im Blut. Gemessen werden die Unterschiede mit Hilfe monoklonaler Antikörper. Um das bereits entwickelte Verfahren wasserdicht, also für die Dopingkontrolleure in der Praxis nutzbar zu machen, sollen die Ergebnisse mit einer weiteren, noch zu entwickelnden Methode bestätigt werden. Hierbei soll versucht werden, die unterschiedlichen Varianten des körpereigenen hGH auch nach ihren physikalisch-chemischen Eigenschaften aufzutrennen. Entscheidend sind bei dieser Methode die minimalen Unterschiede der Moleküle in der Grösse (Molekulargewicht) und der elektrischen Ladung (Isoelektrischer Punkt). Diese Eigenschaften werden mit der Technik der zweidimensionalen Elektrophorese untersucht. Trotz bisher fehlender Nachweisverfahren gibt es deutliche Hinweise auf den Konsum von Wachstumshormonen im Leistungssport. So haben australische Zöllner im Gepäck eines usbekischen Trainers vor Olympia 2000 mehrere hGH-Ampullen gefunden; und auch beim diesjährigen Giro stellten Polizisten im Sportler-Gepäck Wachstumshormone sicher. |