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World Sports Forum 2000: Vorwärtskommen in kleinen SchrittenNZZ 16.3.2000Das 2. World Sports Forum löst sich von allzu starker wirtschaftlicher Befangenheit Am Mittwoch ist im Oberengadin das 2. World Sports Forum zu Ende gegangen. Drei Tage lang haben sich zum zweitenmal nach 1998 Fachleute aus Sport und Wirtschaft an einen Tisch gesetzt und über die Zukunftdes Sports sinniert. Die Organisatoren, die sich im Gegensatz zur erstmaligen Auflage dem neutralen Charakter zuliebe verstärkt von der Sportartikelindustrie distanziert haben, hoffen die Veranstaltung von nun an im Jahresrhythmus durchführen zu können. jam. Der Sport bewegt die Massen - und generiert weltweit 107 Milliarden US-Dollar, allein was die Sportartikelindustrie betrifft. Nicht weiter verwunderlich also, wenn der Sport nicht nur der Emotionen und der physischen Höchstleistungen wegen zu reden gibt, sondern auch wirtschaftlich wichtige Impulse auslöst - ja von der Sportartikel- und der Unterhaltungsindustrie gar weitgehend fremd bestimmt wird. Nicht zuletzt dieser Umstand hat die Organisatoren des erstmals 1998 durchgeführten World Sports Forum dazu bewogen, für die breite Palette sportlicher Aktivität eine neue Plattform zu schaffen. Stiftungsrat soll Neutralität gewährleisten Verschiedenes hatte vor zwei Jahren noch nicht geklappt, Wünschbarkeit und Realität klafften allzuweit auseinander. Absagen von eingeladenen Sportlern und Wirtschaftsführern, zu viele verschiedenartige Themenbereiche und die übermässige Anlehnung an die Sportartikelindustrie hatten der Premiere mitunter kritische Stimmen eingebracht. Die Organisatoren nahmen auf Grund eingehender Analysen Anpassungen vor, vor allem wollten sie sich künftig nicht mehr als Plattform der Sportartikelindustrie verstanden wissen, da sonst eher von einer PR-Messe denn von einem neutralen Forum die Rede gewesen wäre. Statt dessen hätten neue Finanzquellen erschlossen werden müssen, sagt OK-Generalsekretär Urs Nater, der ebenso dem erst Ende1999 ins Leben gerufenen Stiftungsrat angehört wie unter anderen auch Vertreter des Bundes, des nationalen olympischen Verbandes sowie der kantonalen Behörden. Knapp 700 000 Franken standen für die am Mittwochmorgen zu Ende gegangene, zweite Auflage des sportlichen «Gipfeltreffens» zur Verfügung - Nater verheimlicht nicht, dass die Kontinuität nur dann gewahrt werden könne, wenn das Budget auchinskünftig ähnliche Dimensionen aufweise. Was die angekündigten Referenten angeht, mussten sich die Veranstalter auch in diesem Jahr nach der Decke strecken. Offenbar ist die Akzeptanz des Forums, das wohl nicht zuletzt auch den Markenwert von «St. Moritz» stärken soll, noch nicht derart hoch, dass sich die wichtigen Sportführer gewissermassen verpflichtet fühlen dabei zu sein. Erkannt wurde immerhin, dass, allein was die Themenauswahl an geht, Qualität vor Quantität kommt. So wurde das 2. World Sports Forum nicht mehr länger dahingehend genutzt, möglichst alle Facetten des Sports hinein zu packen, sondern im Vordergrund stand (fast) allein die wirtschaftliche Komponente - und 2001 soll eine andere Thematik zentral behandelt werden. Sportler verbreiten Platitüden Ob es allerdings Sinn hat, «grosse» Sportnamen zu verpflichten, erscheint weiterhin fraglich. Die Tennisspieler Pat Cash und Stefan Edberg, der Eisschnelläufer Johann Olav Koss, zugleich IOK-Mitglied, sowie die Marathon- Legende Greta Waitz liessen sich vom schlecht vorbereiteten Willie Banks unter anderem dahingehend befragen, welche Unterschiede zwischen Individual- und Mannschaftssportarten bestehen - wahrlich keine Neuigkeiten an einem Ort, an welchem sich eigentlich die Szenenkenner aufhalten sollten. Aber auch die Wirtschaftsführer - etwa Adidas-Salomon-CEO Robert Louis-Dreyfus und der Vicepresident von Nike Europa, Charlie Denson - vermittelten nicht den Eindruck, sich sehr intensiv auf ihren Auftritt vorbereitet zu haben. Louis-Dreyfus prognostizierte immerhin, dass etwa der Tennissport alles andere als im Aufschwung begriffen sei. Die Jugend interessiere sich für die ander Spitze stehenden Spieler nicht mehr - und dies deute darauf hin, dass diesbezüglich baldmöglichst strukturelle Änderungen vor zu nehmen seien. Allein, eine solche Einschätzung zeigt deutlich, dass heute die Wirtschaft darüber entscheidet, in welche Richtung sich eine Sportart zu entwickeln hat. Als Fazit des 2. World Sports Forum kann folgendes fest gehalten werden: Strukturell sollte der durchaus Sinn ergebende Zusammenzug des Weltsports weiter gestrafft werden, vor allem aber ist der Gesprächsführung mehr Bedeutung zu zu messen als bisher. Und den geladenen Sportlerinnen und Sportlern sollte nur dann Platz eingeräumt werden, wenn diese auch Substantielles zum jeweiligen Themenbereich beitragen können. Nicht ausgeschlossen bleiben sollte im weiteren die Wissenschaft, die mit aktuellen Forschungsergebnissen allenfalls mehr zur Diskussion beitragen kann als gar mancher Sportfunktionär. Den Organisatoren ist zugute zu halten, aus Fehlern gelernt zu haben, auch wenn dieser Lernprozess noch nicht als abgeschlossen gelten darf. |