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Ack. Indianapolis, 17. August
Mit einem weiteren Landesrekord sind die Olympic Trials der US-Schwimmer in der Nacht zum Donnerstag zu Ende gegangen. Doch kaum hatte der 19-jährige Erik Vendt im abschliessenden 1500-m-Final in 14:59,11 als erster Amerikaner die 15-Minuten-Grenze unterboten, begannen am Rande des Bassins von Indianapolis schon wieder die Diskussionen über die zeitliche Ansetzung der Qualifikationen. Dies gehörte schon in früheren Olympiajahren zur Pflicht, auch wenn, anders als diesmal, die Bilanz durch Weltrekorde verziert worden war. Den einen kamen die Trials zu früh, den anderen zu spät. Heuer war die Entscheidung von den Athleten und Coaches selber getroffen worden, wobei sich sechzig Prozent fürs verhältnismässig späte Datum entschieden - sehr im Gegensatz zum grossen Rivalen Australien, der seine Trials bereits im Mai durchgeführt hatte. Ein Vorteil war dies nicht zuletzt für Don Talbot, den Chefcoach der australischen Schwimmer, der die Wettkämpfe im Natatorium der Universität von Indiana in aller Ruhe persönlich beobachten konnte. Seine offizielle Bilanz: nichts, das ihn beunruhigt hätte.
Talbots beruflich bedingter Optimismus stand einer manchmal allzu aufdringlich plakatierten Siegeszuversicht der Amerikaner entgegen. Eine grosse Flutwelle werde, aus Nordosten kommend, an den Küsten Australiens anschlagen, lautete der Tenor von Offiziellen, Trainern und Aktiven der USA. Das Duell um die Vorherrschaft im Schwimmen, im vergangenen Jahr an den Pan- Pacific-Spielen nur ganz knapp vom Team unterm Sternenbanner gewonnen, werde in Sydney eindeutiger ausgehen. Schon rechneten die Amerikaner anhand von Bestzeiten hüben und drüben den Vorsprung vor den Gastgebern in der abschliessenden Lagenstaffel aus (zwei Sekunden). Und schon hatten sie auch den Star gefunden, der mit fünf Goldmedaillen die gesamte Konkurrenz übertreffen soll: die 33 Jahre alte Dara Torres, die in Indianapolis am Schlusstag das 50-m-Rennen gewann. An olympischer Stätte wird die von einem Expertenstab von zehn Personen betreute und vom US-Cheftrainer Richard Quick persönlich geführte Veteranin dreimal solo (50 und 100 m Crawl sowie 100 m Delphin) und zweimal mit einer Staffel (4mal 100 m Crawl und Lagen) an den Start gehen.
Das «Team Torres», zusammengesetzt aus je zwei Masseuren und Stretching-Experten sowie je einem Physiotherapeuten, Chiropraktiker, Ernährungsspezialisten, Lymphsystem-Manipulator, Leistungs-Analytiker und Hilfstrainer, arbeitet ohne Bezahlung. Die olympischen Reise- und Aufenthaltskosten der Entourage hat Quick bereits zur Hälfte zusammengebracht; den Rest der sechsstelligen Summe will er notfalls borgen. Wird die kühne Zielsetzung der Expedition - dieselbe Zahl olympischen Goldes wie die Leichtathletin Marion Jones - erfüllt, so dürften sich finanzielle Sorgen allerdings von selber erledigt haben und Torres zum leuchtenden Beispiel für die Errungenschaften des Frauensports avancieren. Was aber, wenn die Kalifornierin auch im Schwimmstadion von Sydney an Krämpfen in den Beinen und im Unterleib leidet, die sie in Indianapolis wiederholt behinderten?
So viel Aufhebens um das Comeback von Torres auch gemacht wurde, so deutlich kam in Indianapolis zutage, dass die Stärke des neuen US-Olympiateams weniger in herausragenden Einzelkönnern besteht als im imposanten Kollektiv. Bei den Frauen wie bei den Männern sind die Amerikaner jedenfalls die «équipe à battre»: Kontinuität einer seit 1920 fast lückenlos gewahrten und bei jeder Gelegenheit in Erinnerung gerufenen Tradition. Einzig anno 1956 war die Schwimm-Grossmacht in den zweiten Mannschaftsrang verwiesen worden - von den Australiern im heimischen Pool von Melbourne.
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