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Apropos: Schnelle Hosen

NZZ vom 25.3.00

kla. Wer kennt sie nicht, die Ausreden gescheiterter, abgehängter, deklassierter Sportler? Wenn nicht die Nahrung, der Schnupfen, der Wachs, die Unterkunft oder die Reise schuld am Debakel sind, so wird meist unmissverständlich auf klare Nachteile gegenüber der Konkurrenz im vermaledeiten Materialsektor hingewiesen. Was nicht im Windkanal oder auf Übungspisten akribisch ausgetestet werden konnte und entsprechend in Zahlen belegbar ist, wird schnell einmal als zweitrangig eingestuft.

Wenn im Sektor Ski oder Auto solche Ausreden formuliert werden, muss der Zuhörer mangels Inkompetenz passen. Schon weit schwieriger wird die Glaubwürdigkeit allerdings im Falle einer schlichten Badehose - wenigstens bis heute. War nun tatsächlich das zugegebenermassen nicht mehr ultramoderne Bermuda-Modell am massiven Zeitverlust gegenüber der Spitze an der letzten Zürcher Seeüberquerung schuld? Hatte sich Johnny Weissmüller alias Tarzan 1924 und 28 über 100 m Crawl einzig dank seiner Lendenschutz-Spezialkonstruktion an olympischen Stätten durchgesetzt? Ein verspäteter Skandal?

Um solche möglichen Schummeleien in Sydney zu vermeiden, hat der Schwimm-Weltverband (Fina) vorsorglicherweise rasch, rasch die neuen, das Outfit der heutigen Schwimmer rasant charakterisierenden Ganzkörperanzüge homologiert - modisch den Zwanzigerjahren angepasst und inskünftig wie Overalls in der Formel 1 prädestiniert für grosse Werbeflächen. Dabei steht im Reglement ausdrücklich, dass alle Mittel verboten seien, die einen Athleten schneller machten. Sind damit nun nur Drogen oder auch Hosen gemeint? Die neuen Dresses garantieren aber offenbar wie seinerzeit Badekappen oder Glatzen Tempo. Der Amerikaner Neil Walker verbesserte zuletzt an den Kurzbahn-WM in Athen gleich fünf Weltrekorde mit der «Fast Skin» genannten Hose jener US-Firma, die sich den Namen Geschwindigkeit (Speedo) schon einverleibte. Der Vorteil dieses der Struktur einer Haifischhaut entsprechenden Materials soll in Tests immerhin drei Prozent betragen haben - umgerechnet sechs Meter pro 200 m.

Grund genug, im vorolympischen psychologischen Kleinkrieg zwischen den Schwimmverbänden der USA und Australiens erste Minen zu setzen. So will sich das Nationale Olympische Komitee Australiens die Rechtmässigkeit des Fina-Entscheids erst durch den Internationalen Sportgerichtshof bestätigen lassen und rät den Schwimmern vorderhand zur Miniversion der Badehosen. Und die Schweizer? Das Logo der antiken römischen Jagdgöttin Diana, des Ausrüsters von Rigamonti, Lütolf und Co., verheisst gegenwärtig noch keinen Speed. Das soll sich spätestens bis Sydney ändern, wenn die Italiener den Materialrückstand wettgemacht haben wollen. Bis dahin vertrauen die Schweizer, in Athen mit Sprechverbot punkto Anzüge belastet, noch im geheimen dem Konkurrenzprodukt: Lütolf unterbot die Olympialimite in Genf «speedig».
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