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Schwimmverein Limmat Zürich |
Frühling im Schweizer SchwimmsportNZZ 13.3.006 Olympiaselektionen und 15 Landesrekorde als Startkapital für vielversprechende Ära [kla. Genf, 12. März] Nenn mir die Zahlen, und ich sag dir, wer du bist. Im Schwimmen gibt es keine Ausflüchte: Minuten, Sekunden, Zehntel und Hundertstel entscheiden über Erfolg oder Misserfolg, sonst nichts. So übertrifft die Bilanz der Schweizer Schwimmelite mit 420 Startenden am erstmals über vier Tage programmierten nationalen Championnat in Genf auf allen Ebenen die optimistischsten Erwartungen: 6 Olympiaqualifikationen, gleich 15, zum Teil sehr respektable Landesrekorde (13 Einzel), 5 Limiten für die Europameisterschaften Anfang Juli in Helsinki mit insgesamt mindestens 13 Schwimmern (8 Damen sowie 5 Herren allein in den Einzelrennen) und - besonders erfreulich - 12 Startberechtigungen für die Junioren-EM-Titelkämpfe im Sommer in Dünkirchen. Fortschritte - auch an der Basis Der Schweizer Schwimmsport ist in der Romandie in eine neue Ära getreten. Spitzenleistungen, die noch vor kurzem mit Verblüffung zur Kenntnis genommen worden wären, scheinen heute Courant normal. Die technischen Fortschritte, auch der Jüngsten, sind auf Grund der effizienten Arbeit in den Vereinen und des neuen Geists zum Teil frappant. Grössere Gruppen reisen inskünftig an Titelkämpfe, die vor acht Jahren mit minimalem Bestand zu beschicken schon ein grosses Problem gewesen war. Auch wenn in den Siegerlisten dieser Landesmeisterschaften zum Teil bekannte Namen erschienen, so unterstrich der Nachwuchs mit Jahrgang 83 bis 85, dass die Impulse von der Spitze verstanden wurden. Und dort gab es der Superlative gar viele. Flavia Rigamonti, als einzige im Vorjahr ins SOV-Olympiaprojekt aufgenommen und nach Schulschluss 2001 wohl mit Kurs Richtung USA, Chantal Strasser (wie die Tessinerin über 400 und 800 m startberechtigt), Remo Lütolf, Christoph Bühler, Karel Novy und Yves Platel haben die erste von nur zwei Qualifikationsmöglichkeiten für die Olympischen Spiele in Australien optimal genutzt - viermal in Landesrekordzeit. Sie werden nach Abschluss der Kurzbahn-WM am nächsten Wochenende in Athen in den nächsten Monaten ohne Leistungsdruck im stillen weiterarbeiten können, täglich Kilometer um Kilometer abspulen, Gewichte stemmen, den normalen Alltag ihrer Kollegen vom Trainingsgelände aus verfolgen, im heimischen Bassin, in Zusammenzügen in Magglingen, in Trainingslagern wie Mitte August in Genf/Vevey oder im "Finish" in Caloundra in der Nähe von Brisbane vor dem Zimmerbezug im olympischen Dorf am 13. September. Ihr Lohn soll in Sydney ausbezahlt werden; und von Medaillen werden alle in irgendeiner Nacht einmal träumen. Prestigereicher Rekord pulverisiert Meist stehen die prestigereichen Crawlrennen der Herren an internationalen Wettkämpfen im Mittelpunkt. Weshalb nicht auch am nationalen Championnat, zumal der Landesrekord nicht nur um einen Lidschlag, sondern um längeres Augenzwinkern verbessert wurde. 13 Jahre lang hatte Stefan Volerys Rekordzeit von 50,06 s allen "Lüftchen" standgehalten; am Samstag blieb Karel Novy gleich zweimal klar unter diesem Wert. 49,61 s am Vormittag und 49,58 (Rang 12 in der Weltbestenliste) im 100-m-Final leuchteten nach dem Handschlag des vor 17 Jahren aus Tschechien in die Schweiz gekommenen, 1997 eingebürgerten Novy auf der Zeittafel auf - eine für Schweizer Verhältnisse fabelhafte Zeit. Als Siebenjähriger hat er in Vevey zu schwimmen begonnen, damals, als Volery eben den altehrwürdigen Landesrekord verbesserte. Heute weist der Chemie-Laborant Novy, im vergangenen Dezember in 48,44 s Dritter an den Kurzbahn-EM in Lissabon und in Genf gleich sechsmal siegreich, ähnliche Gardemasse (197 cm) wie seine Vorbilder Pieter van den Hoogenband oder Alexander Popow auf. Nur ist er mit seiner "Zigarillofigur" (77 kg) um einige Kilogramm leichter als die zwei Olympiafavoriten. Seine "Leichtigkeit des Seins" auf dem Wasser, die Zuglänge dank den geierartigen Armen, die optimale Hebelwirkung sowie die ideale Muskelfaser-Kontraktion haben den kaltblütigen, selbstbewussten und -kritischen Sprinter zusammen mit viel, viel Arbeit und Geduld auf dieses Niveau gebracht, wobei er wie sein Trainingskollege Yves Platel vom nunmehr vierjährigen Olympiaprojekt Veveys profitieren konnte. Der Lagenspezialist unterbot seine eigene Bestleistung am Samstag um 1,88 s. Der heute 23jährige "Spätzünder" galt schon vor zehn Jahren als Talent, liess sich aber erst nach der Rekrutenschule durch das Viviser Projekt neu motivieren - mit Erfolg. In diesem Zusammenhang taucht auch der Name von Nicole Zahnd auf, die vor einigen Monaten aus der vertrauten Umgebung in Bolligen ebenfalls nach Vevey gewechselt hatte. Ihr bleibt in Richtung Sydney, seit Jahren ihr klar formuliertes Ziel, noch eine letzte Hürde - an den EM in Helsinki. Erneut vermochte sie ihre physischen und technischen Möglichkeiten, die nach Aussagen verschiedener Trainer zu deutlichen Verbesserungen reichen müssten, in einem entscheidenden Wettkampf nicht umzusetzen. Über 200 m Crawl und Lagen blieb sie trotz drei Titelgewinnen und persönlichen Bestzeiten (Delphin) deutlich unter den geforderten Werten. Etwas hart ausgedrückt sind ihr weder die wohl nötige Abnabelung aus dem gewohnten Vertrauenskreis (Familie, Trainer, Berater usw.) noch die schon lange nötige Stärkung der Wettkampf-Psyche gelungen. Offensichtlich ist - wie an dieser Stelle schon kritisiert - in der Vergangenheit im Zusammenhang mit der einst sehr talentierten Schwimmerin einiges falsch gemacht worden. Auch wenn ihr vielleicht noch die Hintertüre der ins Auge gefassten, aber erst in Helsinki zu konkretisierenden Crawlstaffel über 200 m Crawl offenbleibt. |