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Bald Berufslehre für Spitzensportler?

NZZ vom 4.5.00

Sportpolitische Stippvisite des Bundesrats in Magglingen

Der Bundesrat hat sich am Mittwoch beim Treffen mit den Exekutiven von Stadt und Kanton Bern in Magglingen über Prioritäten des Bundesamts für Sport orientieren lassen. Das «Sportpolitische Konzept Schweiz», das bis Ende Jahr zu erarbeiten ist, soll eine effizientere Sportförderung bewirken, die aber nicht zwingend teurer sein muss. Weit gediehen sind die Pläne für eine Berufslehre für angehende Spitzensportler.

rz. Magglingen, 3. Mai

Magglingen sei ein Juwel, das wiederentdeckt werden müsse. So äusserte sich Adolf Ogi Ende 1998 in einem Interview mit der NZZ. Am Bestreben, dem Sport generell mehr politische Aufmerksamkeit zu schenken, mangelt es nicht. Anfang 1999 wurde die auf dem idyllischen Balkon Biels gelegene Eidgenössische Sportschule zum Bundesamt für Sport umfunktioniert. Ende letzten Jahres sodann fiel der bundesrätliche Startschuss für den Orientierungslauf, der zu einem «Sportpolitischen Konzept Schweiz» führen soll. Am Mittwoch hat Bundespräsident Ogi eine weitere Gelegenheit genutzt, um Magglingen neu zu entdecken. Die traditionelle Zusammenkunft des Bundesrats mit den Exekutiven von Stadt und Kanton Bern stand in diesem Jahr unter dem Motto «Begegnung im Sport».

Was bezweckt die sportpolitische Auslegeordnung? Unter der Stabführung von Heinz Keller, Direktor des Bundesamts für Sport, beteiligen sich rund hundert Personen am Denkprozess. Zurzeit wird in 14 Teilprojektgruppen der Handlungsbedarf geortet. Ein solcher besteht, wie Keller im Gespräch betont, auf zahlreichen Feldern. Seit 1972, als das Bundesgesetz über die Förderung von Turnen und Sport in Kraft trat, habe sich die Situation fundamental verändert. Im Fussball etwa seien die Strukturen von 1972 mit dem heutigen Umfeld nicht mehr vergleichbar. Bildhaft gesprochen: In den letzten Jahrzehnten sei der Sport gewachsen wie eine Artischocke. Aufgabe der an den Konzeptarbeiten beteiligten Fachleute ist es laut Keller, die Artischockenblätter zu bündeln. Ende 2000 soll das bereinigte Konzept - genannt «Spoko» - vorliegen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es ist keineswegs die Absicht des Bundes, sein sportpolitisches Terrain zuungunsten der privatrechtlichen Organisationen auszuweiten. Gemäss den Worten Heinz Kellers wird eine Klärung der Kompetenzbereiche angestrebt, nicht die Addierung von Macht. So ist etwa danach zu fragen, wer für die Nachwuchsförderung zuständig ist, wem die Förderung des Seniorensports obliegt und welche Infrastruktur bereitzustellen ist. Nicht ausgeklammert werden auch unerfreuliche Aspekte: Wie soll der Kampf gegen Dopingmissbrauch effizient geführt werden? Was ist gegen Gewalt in Sportstadien zu unternehmen, was gegen Auswüchse der Erlebnissucht? In diesen und weiteren Spektren geht es darum, eine sinnvolle Aufgabenteilung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden einerseits und zwischen öffentlichrechtlichen und privaten Institutionen anderseits vorzunehmen.

Gegenwärtig werden von staatlicher Seite insgesamt 920 Millionen Franken pro Jahr für den Sport - vorab für Anlagen und Personal - aufwendet. Das sportpolitische Konzept soll, so der Direktor des Bundesamts für Sport, «nicht primär auf ein erhöhtes Budget ausgerichtet sein». Diese Aussage dürfte all jene beruhigen, die es nicht als primäre Staatsaufgabe betrachten, den verkommerzialisierten Sport noch mit staatlichen Krücken zu bestücken.

Weiter als das sportpolitische Konzept sind die Arbeiten gediehen, die in Richtung einer Lehre für Berufssportler zielen. Das von Bundesrat Ogi angeregte Konzept sieht eine vierjährige Berufslehre für Talente vor, die auf die Karte Spitzensport - etwa im Fussball, Eishockey oder Skisport - setzen. Im Zentrum stünde das Training in der jeweiligen Sportart, wobei gemäss Projektleiter Heinz Keller mit der Ausbildung nur hochqualifizierte Klubs und Verbände betraut würden. Neben der Praxis die Theorie: Hier ist vorgesehen, zum einem sportspezifische Aspekte (Trainingslehre, Physiologie, Ernährung usw.) zu vermitteln. Zum andern sollen Module unterrichtet werden, die mit Blick auf die Zeit nach der Sportkarriere nützlich sein können, etwa Sprachen, kaufmännische Kenntnisse und Informatik. Bei einem erfolgreichen Abschluss der vierjährigen Lehre sollen die Absolventinnen und Absolventen ein Fähigkeitszeugnis erhalten. Dieses würde sie berechtigen, während der Aktivzeit eine breite Palette von Fortbildungskursen zu besuchen.

Die Unterlagen für den Lehrgang liegen vor; zurzeit werden sie zusammen mit der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren diskutiert. Die Absicht des Bundesamts für Sport geht dahin, 2001 mit einem Pilotprojekt zu starten. Bewilligungsbehörde ist in diesem Falle das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT). Dort stellte der zuständige Sachbearbeiter Rolf Peter in Aussicht, dass die Vernehmlassung noch vor den Sommerferien eröffnet werden dürfte. Bei positivem Verlauf sei es denkbar, dass im Laufe des kommenden Jahres ein Versuch gestartet werde, der noch auf dem heutigen Berufsbildungsgesetz basiert.
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