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Australische Olympiatrials Schwimmen: Oscar geht baden

SonntagsZeitung vom 21.5.00

Bea Emmenegger über die australischen Schwimm-Meisterschaften

Sie hatte noch weniger an als Gwyneth Paltrow an der Oscar-Verleihung für die beste Hauptdarstellerin in "Shakespeare in Love", und sie schluchzte ihr "Thank you" an den Coach - "ohne ihn wär ich jetzt nicht hier" - mindestens so herzzerreissend ins Mikrofon. Tarnee White war über 100 Meter Brust Zweite geworden und wird damit in Sydney um olympische Medaillen schwimmen. Deshalb die Tränen.

Die flossen im Sydney International Aquatic Centre, wo im September die olympischen Schwimmwettbewerbe ausgetragen werden, in den vergangenen acht Tagen reichlich. Die australischen Meisterschaften, gleichzeitig Qualifikationsbewerbe für die Spiele, produzierten Weltrekorde, neue Stars, gescheiterte Heldinnen und Bronzemedaillengewinner, die sich ein Lächeln abringen mussten. Denn Bronze bedeutete das Ende der olympischen Träume. Jeweils die ersten zwei qualifizierten sich, sofern sie innerhalb der erforderlichen Zeitlimite schwammen, ein paar weitere schafften es in die Staffeln.

Leisel Jones, Siegerin über 100 Meter Brust und mit 14 Jahren die Newcomerin des Jahres, wurde über 200 Meter Brust Dritte, und ihre steinerne Miene an der Siegerehrung verriet grenzenlose Enttäuschung. Anders Ian Thorpe, der den dritten Platz über 100 Meter Freistil nach seinen drei Weltrekorden über 200 Meter und 400 Meter Freistil mit Fassung trug. Das Resultat machte einem anderen Weltrekordhalter zu schaffen: Kieren Perkins müsste fürchten, dass der "Torpedo" nun über 1500 Meter an den Start gehen und ihm die Qualifikation streitig machen würde. Thorpe verzichtete, Perkins wurde gestern Samstag Zweiter und kann im September sein drittes aufeinander folgendes Olympiagold jagen.

Thorpes Weltrekorde in den ersten Tagen dieses Schwimmfestes sorgten für Stimmung und Rekordzuschauerzahlen.

Bronze bedeutete das Ende der olympischen Träume

Mehrere Tausend waren es jeweils bereits an den Vorläufen am Morgen, und 10 000 schrien Susie O'Neill zum Weltrekord über 200 Meter Delfin. 19 Jahre alt war der Rekord, der älteste im Schwimmen, und Susie avancierte zu everybody's darling. Dieser Titel gehörte bis anhin Samantha Riley, die nach einer Niereninfektion die Qualifikation für ihre dritten Olympischen Spiele verpasste. Sam schaffte ein tapferes Winken und ein wehmütiges Lächeln für die Zuschauer und floh heulend in die Arme einer Kollegin.

Eine andere Verliererin humpelte mit einem Lächeln vom Feld ihrer Niederlage. Lori Munz, deren Knie Anfang März bei einem Autounfall zertrümmert wurden, qualifizierte sich mit Schrauben im neu modellierten Knie und einer Hundertstelssekunde Vorsprung auf die Neunte der Halbfinals für den 100-Meter-Freistil-Final. Doch alles Daumendrücken auf den Rängen half nichts, das Knie der Nation schaffte Rang sechs und damit die Qualifikation für die Staffel nicht.

Die Nation trauerte kurz um das Märchen, das nicht erzählt werden konnte, und wandte sich wieder den Siegern zu.

Rebecca Brown etwa, die dem Sport den Rücken gekehrt hatte, nachdem sie 1994 Weltrekord über 200 Meter Brust geschwommen war und zwei Jahre später die Qualifikation für Atlanta verpasste. Seither wurde sie Mutter, begann im letzten September wieder mit dem Training und qualifizierte sich für Sydney 2000.

Das sind die Geschichten, aus denen Hollywood Filmhits und der Sport Legenden macht. Womit wir bei Mark Spitz wären. Dessen Olympiarekord von sieben Goldmedaillen an den Spielen in München 1972 wird vorerst halten. Denn Teenager Thorpe wird im September nur in fünf Disziplinen an den Start gehen - aber 2008 erst 25 Jahre alt sein. Dass er in Sydney fünfmal Gold gewinnen wird, ist für die Australier keine Frage.

Genauso wie niemand daran zweifelt, dass in den vergangenen acht Tagen im Grunde nicht nationale, sondern olympische Medaillen vergeben wurden. Ein paar Spielverderber wird es im September geben, aber das ist wie mit den Golden Globes und den Oscars: In der Regel bleiben die Preisträger dieselben. Die paar Abweichungen sorgen für den Nervenkitzel.
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