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Schwimmverein Limmat Zürich |
Vom Stolz an die Spitze getriebenTages Anzeiger 9.8.99, von Monica SchneiderFlavia Rigamonti gelang an den Schwimm-Meisterschaften in Genf, was keine Schweizerin zuvor geschafft hat: Sie setzte sich an die Spitze der Weltjahresbestenliste über 800 Meter Crawl. 18-jährig ist Flavia Rigamonti, wobei sie die zweite Hälfte ihres Lebens hauptsächlich mit Schwimmen verbracht hat. Zu zwölf nationalen Titeln ist sie bisher über 400 m und 800 m Crawl geschwommen, zu Rekorden auf allen langen Distanzen, zum Junioren-EM-Titel 1997, zum EM-Titel auf der Kurzbahn 1998 und zu Bronze an der Kurzbahn-WM in diesem Jahr. Am Sonntag nun hat Rigamonti in Genf an den Meisterschaften nachgeholt, was ihr an der EM vor zwei Wochen in Istanbul aus zwei Gründen nicht gelungen ist. Sie schwamm die 800 m, wie ihre Trainer es sich vorgestellt haben: Schneller Beginn mit dem Ziel eines Rekordes bei 400 m, danach möglichst lange das Tempo halten. Die 1,85 m grosse Tessinerin hat auf diese Weise ein Weltklasseresultat erzielt. 8:31,20 Minuten schnell war in diesem Jahr noch keine Schwimmerin der Welt. Gleichzeitig mit Martina Hingis, die an der Spitze des Tennis-Worldrankings die Amerikanerin Lindsay Davenport verdrängte, setzte sich mit Rigamonti erstmals eine Schweizerin auf Rang 1 einer Jahresweltbestenliste im Schwimmen (und löste die Amerikanerin Diana Munz ab). "Natürlich bin ich sehr zufrieden, aber es ist auch schade", sagt Christophe Pellandini, einer ihrer Trainer. Er glaubt, Rigamonti wäre bereits an der EM zu diesem Exploit fähig gewesen, hätte sie sich nicht in ein taktisches (langsames) Rennen verwickeln lassen. "Zudem war sie wegen dieser Virusgeschichte nicht hundertprozentig bei Kräften", sagt Pellandini. Das vom Schwimmverband gewählte Hotel habe nicht die Ruhe geboten, welche Spitzenathleten benötigen, zudem habe sowohl das Essen als auch das Trinkwasser zu wünschen übrig gelassen. Rigamonti fühlte sich durch diese Umstände in ihrem Stolz verletzt, der sie nun in Genf zu einer Höchstleistung getrieben hat. Flavia Rigamonti weist in den vergangenen vier Jahren eine konstante Leistungsentwicklung auf: An der Junioren-EM 1995 benötigte sie noch 9:21 Minuten für die 800 m, ein Jahr später bereits war sie 28 Sekunden schneller, 1997 noch einmal 15, 1998 eineinhalb Sekunden. "Ich habe ihr zugetraut, dass sie an der EM unter normalen Umständen eine Zeit von 8:33 schwimmen kann", sagt Pellandini. Der Exploit vom Sonntag hat ihn nur insofern überrascht, als dass die Gymnasiastin deutlich unter seiner Marke geblieben ist. Die Aussichten Rigamontis sind gut, sie hat nun ein Spezialabkommen mit ihrem Gymnasium. Nach zwei Wochen Pause wird sie gegen Ende August das Training wieder aufnehmen und wöchentlich nur noch 15 Schulstunden besuchen, der Stoff eines Jahres wird auf zwei verteilt. "Wir versuchen so, die Olympischen Spiele optimal vorzubereiten", sagt Pellandini. Der Vorteil dieser Regelung sei, dass Rigamonti endlich genügend Zeit haben werde, sich auszuruhen. Die Vorbereitung des olympischen 800-m-Rennens wird sie nicht alleine bestreiten müssen. Die Frauenfelderin Chantal Strasser (21) trainiert seit einigen Monaten ebenfalls bei Atlantide Agno und schwärmt vom familiären Klima: "Das Training ist streng und konsequent. Aber es ist immer ein Trainer dabei, der dir hilft, und die Stimmung motiviert einen sehr." Strasser gehörte noch vor Rigamonti zu den Hoffnungen über die langen Crawl-Distanzen, vor ihrem Wechsel ins Tessin stagnierten ihre Leistungen allerdings (persönliche Bestzeit 8:56,66). "Ich habe nun schon so viele Jahre ins Schwimmen investiert, dass ich jetzt noch diese Chance in Agno wahrnehme", sagt sie. Das Resultat Flavia Rigamontis trägt möglicherweise dazu bei, dass die Schweiz auf der Schwimm-Weltkarte wieder ein Thema wird, es trägt ganz sicher aber dazu bei, dass das Niveau in gewissen Disziplinen steigt. Auch in dieser Hinsicht war das 800-m-Rennen vom Sonntag eine Premiere: 40 Schwimmerinnen nahmen daran teil. "Eine unvorstellbare Zahl", sagt Pellandini, in früheren Jahren seien es jeweils rund 16 gewesen. |