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Schweizer Schwimmsport: Spriessende Knospen

NZZ 13.3.00

In den letzten Tagen sind auf dem Gelände der Palexpo in Genf die neuesten glitzernden Modelle der Automobilbranche dem PS-hungrigen Publikum präsentiert worden. Einige Kilometer westlich rückte zur gleichen Zeit im Quartier Les Acacias der Schweizer Schwimmverband in fast familiärem Ambiente und ohne grelle Scheinwerfer seine schnellsten Protagonisten ins Rampenlicht. In einem während Jahren höchstens dürftig spriessenden Blumenstrauss öffneten sich an diesen herrlichen Frühlingstagen auf fast wundersame Weise neue Knospen, die den Schwimmsport unseres Landes wieder olympiatauglich machten. Sechs Athleten unterboten auf Anhieb die anspruchsvollen Limiten zur Olympia-Qualifikation; und über die EM in Helsinki sowie die zwei Staffeln dürften sich im besten Fall noch vier weitere für Sydney empfehlen.

Fast acht Monate nach dem zwar nicht berauschenden, dank Rigamonti und Lütolf aber doch vielversprechenden Auftritt an den Europameisterschaften in Istanbul tat die Schweizer Schwimmelite einen weiteren Schritt vorwärts. Einen sehr grossen, notabene. Die beiden Leader sowie Strasser, Platel und die Crawl-Sprinter Bühler und Novy sind mit ihren Bestzeiten fast alle auf international beachtlichem Niveau angelangt, vergleichbar mit Qualifikationen für B-Finals an Olympia. Novy hätte mit seiner Rekordzeit vor vier Jahren in Atlanta den Endkampf erreicht. In einem Land mit nur 4000 lizenzierten Schwimmern, 150mal weniger als in Deutschland, ist eine Leistungsexplosion wie in Genf beileibe keine Selbstverständlichkeit. Man nimmt sie in Erinnerung an längst vergangene Zeiten zu Beginn der achtziger Jahre mit der "Suisse gagnante" (Armentero, Dagon, Volery, Halsall) sehr gerne zur Kenntnis - ohne gleich in Euphorie zu verfallen. Noch sind die Knospen nicht in voller Blüte.

Eine neue Generation mit sehr qualifizierten Trainern, zum Teil auch aus dem Ausland rekrutiert, die sich in der Vergangenheit an Vorbildern wie dem nach 34 Jahren Spitzensport per Anfang April abtretenden Headcoach Tony Ulrich und dem Technischen Direktor Flavio Bomio orientieren durften, mit jungen Gesichtern auch an der Verbandsspitze, hat definitiv Fuss gefasst. Die positive, ansteckende Stimmung in dem zuletzt in Australien weiter zusammengewachsenen Olympiakader mit eher introvertierten Figuren, der Einfluss von motivierenden Lehrmeistern am Bassinrand wie Pellandini, Moerland oder Vouilloz, die sich auch um schulische Belange kümmern, zeigten Sogwirkung.

Aber auch das klare "Ja" einiger Olympia- Probables zum Spitzensport - trotz fehlendem sozialem Status - mit allen Opfern (Ausbildung, Finanzen) hat diese zwar fast wundersame und doch nach zehnjähriger Flaute auch plausible Entwicklung überhaupt möglich gemacht. In den Vereinen wird heute sehr gute Arbeit geleistet, ob in Agno, Vevey, Lausanne, Uster, Genf oder Bellinzona. Entsprechend deutlich sind die Signale. Erfreulicherweise leuchten sie bis an die Basis.



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