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Schwimm-EM in Istanbul

DER PRÄSIDENT SIEHT ROT

Wiener-Kurier, 27. April 1999.
Mitgeteilt von Dominik Schroeder, SC Bottmingen-Oberwil/z.Z. in Wien

Nationalrat Otmar Brix empfiehlt Boykott/Vera Lischka bleibt zu Hause.

Otmar Brix ist in seiner Funktion als Präsident des Verbandes Österreichischer Schwimmvereine nicht leicht in Rage zu bringen. Doch gestern war es so weit. Die Entscheidung des europäischen Verbandes, trotz der politisch unsicheren Lage in der Türkei, an der Ausrichtung der EM Ende Juli in Istanbul festzuhalten, empört den Abgeordneten zum Nationalrat: "Das ist eine Katastrophe für den Schwimmsport. Die Herren des europäischen Verbandes können doch keine Sicherheitsgarantien abgeben." Brix erhebt schwere Vorwürfe. Er spricht von Bestechung: "Die haben die Taschen voll Geld. Das ist offensichtlich. Jetzt weiss man auch, warum in letzter Zeit so viele Tagungen in Istanbul waren. Die Herren lassen es sich dort gut gehen. Das ist ein unglaublicher Skandal." Brix sieht viele offene Fragen: "Wie sieht es mit der Versicherung der Leute aus? Was habe ich davon, dass dort 1000 Militärs herumlaufen und dann passiert was, wenn ein Schwimmer einmal auf einen Kaffee gehen möchte?" Brix wird aus Protest gegen die Entscheidung die nächste Tagung in Zypern boykottieren: "Mit diesen Herren will ich nichts zu tun haben." Brix will in der nächsten Vorstandssitzung im Mai die Empfehlung aussprechen, "die EM auf gar keinen Fall zu beschicken." Ähnliches planen auch Deutschland, Holland, Schweden und Finnland. Brix begründet: "Unsere Sportler müssen wissen, welche Gefahr auf sie zu kommen kann, wenn der Öcalan-Prozess begonnen hat. Ausserdem wird es Probleme mit der Versicherung geben und wir werden auch schwer jemanden finden, der als Delegationsleiter hinfliegt. Ich werde auf gar keinen Fall nach Istanbul reisen." Österreichs Paradeschwimmerin, die Olympiafünfte Vera Lischka, hat sich ihre Meinung bereits gebildet: "Eine Medaille bei einer Europameisterschaft wäre wichtig, aber meine Sicherheit ist mir noch wichtiger. Wenn der Verband die Empfehlung herausgibt, nicht hinzufliegen, werde ich mich daran auch halten." Anders denkt Kraulerin Judith Draxler: "Natürlich hat man Bedenken. Aber für mich hängt viel an der EM. Es geht auch um die Sporthilfe." Diese Signalisiert aber Verständnis: "Also wegen uns wird keiner hinreisen müssen. Dann zieht mal halt ein vergleichbares Meeeting heran", sagt Sporthilfe-Sprecher Lothar Brandl.

Bericht von: Martin Sörös



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